Heinrich Reiß
1919–2005
Heinrich Reiß besuchte die Krupp-Oberrealschule, die heutige Alfred-Krupp-Schule in Essen-Holsterhausen.
Wer führt eigentlich eine Landeskirche? In Westfalen heißt dieses Amt Präses. Von 1977 bis 1985 hatte es ein Mann inne, der in Holsterhausen zur Schule gegangen ist: Heinrich Reiß.
Schulzeit in Holsterhausen
Heinrich Reiß wurde am 9. November 1919 in Essen geboren. Er besuchte die Krupp-Oberrealschule. So hieß die heutige Alfred-Krupp-Schule an der Margaretenstraße damals. Die Schule war ein Zugeständnis der Stadt Essen im Eingemeindungsvertrag mit der Bürgermeisterei Altendorf von 1901. 1937 bekam sie ihren heutigen Namen.
Krieg und Neuanfang
Nach der Schule musste Reiß in den Zweiten Weltkrieg. Er geriet in amerikanische Gefangenschaft. Ab 1946 studierte er evangelische Theologie. Seine Studienorte waren Wuppertal, Mirfield in England, Bonn und Münster. 1952 wurde er ordiniert. Im selben Jahr schrieb er seine Doktorarbeit über das Bibelverständnis des Theologen Johann Albrecht Bengel.
Erste Stationen
Reiß arbeitete als Hilfsprediger in Burgsteinfurt. Dort unterrichtete er auch Religion und Hebräisch am Gymnasium. 1954 wurde er Studentenpfarrer in Münster. Er hatte also früh mit jungen Menschen zu tun.
In der Kirchenleitung
1960 wechselte Reiß ins Landeskirchenamt nach Bielefeld. 1968 wählte ihn die Landessynode zum Oberkirchenrat. Damit gehörte er zur Leitung der westfälischen Kirche. Er war zuständig für den theologischen Nachwuchs, für Studentengemeinden und für kirchliche Publizistik. Er saß außerdem im Programmbeirat des WDR.
Präses von Westfalen
1977 wählte die Landessynode ihn zum Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Er folgte auf Hans Thimme. Im März 1985 ging er in den Ruhestand.
Stimme über Westfalen hinaus
Reiß war auch bundesweit aktiv. Von 1979 bis 1986 gehörte er dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland an. 1984 wurde er EKD-Beauftragter für Fragen der Kriegsdienstverweigerung. Das war in den 1980ern ein wichtiges Thema für viele junge Männer.
Er veröffentlichte Predigten und Reden, zum Beispiel „Reden von der Güte Gottes“ und „Evangelische Weltverantwortung“. Auch Radioansprachen von ihm erschienen als Buch.
Heinrich Reiß starb am 23. August 2005 in Bielefeld.
Eine Schule mit vielen Wegen
Reiß ist einer von vielen bekannten Ehemaligen der Alfred-Krupp-Schule. Seine Geschichte zeigt: Aus einem Klassenzimmer in Holsterhausen führten Wege in ganz unterschiedliche Richtungen, auch in die Leitung einer großen Kirche.
Die Schule in schwierigen Zeiten
Die Krupp-Oberrealschule war damals eine reine Jungenschule. Auch sie geriet unter den Einfluss der Nationalsozialisten: 1935 waren fast alle Schüler in der Hitlerjugend. Im Krieg wurde das Gebäude bei Luftangriffen beschädigt. Seit 1960 lernen dort auch Mädchen. Heute ist die Alfred-Krupp-Schule ein städtisches Gymnasium für alle.
Fazit
Heinrich Reiß war Pfarrer, Lehrer und Kirchenleiter. Er prägte die evangelische Kirche in Westfalen und darüber hinaus. Seine Schulzeit verbrachte er in Holsterhausen.

