Johannes Hinsenkamp
1870–1949
Johannes Hinsenkamp wurde 1870 in Holsterhausen geboren und verbrachte seine Jugend in Essen.
Laternen, Lieder, ein Reiter auf dem Pferd: Du kennst Sankt-Martins-Umzüge bestimmt aus deiner Kindheit. Dass ein Mann aus Holsterhausen diese Tradition in Bonn angestoßen hat, wissen die wenigsten.
Jugend in Essen
Johannes Hinsenkamp kam am 8. April 1870 in Holsterhausen zur Welt. Seine Jugend verbrachte er in Essen. Danach studierte er katholische Theologie in Bonn. Dort trat er einer katholischen Studentenverbindung bei. 1896 wurde er in Köln zum Priester geweiht.
Stationen im Rheinland
Seine erste Stelle hatte er als Kaplan in Mönchengladbach. 1900 wurde er Hofkaplan an St. Andreas in Düsseldorf. 1907 wurde er Pfarrer in Ronsdorf. Dort blieb er elf Jahre. Nach einer weiteren Pfarrstelle in Mönchengladbach kam 1920 der große Schritt: Er wurde Oberpfarrer am Bonner Münster und Stadtdechant von Bonn.
Der Start der Martinsumzüge
Noch im selben Jahr führte er zum Patronatsfest der Münsterpfarre einen Martinsumzug ein. Die Idee verbreitete sich schnell im ganzen Rheinland. Viele Umzüge, die heute ganz selbstverständlich sind, haben hier eine ihrer Wurzeln.
Kunst und Forschung im Münster
Hinsenkamp kümmerte sich auch um seine Kirche. 1930 ließ er die Fenster der Krypta vom Künstler Heinrich Campendonk gestalten. Die Orgel ließ er von der Firma Klais stark erweitern. Sie gehörte danach zu den größten im Rheinland. Außerdem ließ er in der Krypta erstmals größere Grabungen durchführen. Über die Funde schrieb er selbst einen Aufsatz.
Mut in dunklen Jahren
Hinsenkamp galt als Gegner des NS-Regimes. 1933 protestierte er gegen Angriffe der Hitlerjugend auf junge Katholiken. 1934 wandte er sich in einem öffentlichen Brief gegen einen Brandanschlag auf ein Heim katholischer Jugendlicher in Godesberg. Während der NS-Zeit versteckte er jüdische Menschen in seiner Wohnung. Das war lebensgefährlich.
Ehrungen
1945 machte die Stadt Bonn ihn zum Ehrenbürger. Er durfte sich außerdem Monsignore nennen. In Bonn-Dottendorf ist eine Straße nach ihm benannt. Hinsenkamp starb am 22. Februar 1949 in Bonn. Beigesetzt wurde er im Bonner Münster, also genau dort, wo er fast drei Jahrzehnte gewirkt hatte.
Warum er zu Holsterhausen gehört
Hinsenkamp verließ Essen früh. Trotzdem beginnt seine Geschichte hier, in einem Holsterhausen, das damals noch ein Dorf vor den Toren Essens war. Sein Leben zeigt: Aus dem Stadtteil kamen Menschen, die anderswo Haltung zeigten, als es darauf ankam.
Spuren bis heute
In Bonn begegnest du seinem Namen noch heute. 1946 wurde er ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Wer mehr über ihn lesen will, findet eine biografische Skizze aus dem Jahr 1947 und einen Eintrag im Bonner Personenlexikon. Spannend ist auch ein Fund der Forschung: Ein alter Band der „Neuen Rheinischen Zeitung“, der heute im Dortmunder Institut für Zeitungsforschung liegt, gehörte früher ihm. Hinsenkamp sammelte also auch Geschichte auf Papier.
Fazit
Johannes Hinsenkamp war Seelsorger, Kunstförderer und stiller Held. Er brachte Licht in die Bonner Straßen und half Verfolgten. Ein Holsterhauser, auf den der Stadtteil stolz sein kann.

