Ein Fest für Holsterhausen: warum der Stadtteil einen eigenen Tag braucht
Andere Essener Stadtteile feiern seit Jahren. Holsterhausen hat alles dafür – außer einem gemeinsamen Termin. Über die Idee für ein Stadtteilfest.
Der Moment, in dem ein Viertel merkt, dass es eins ist
Es gibt diesen kurzen Augenblick auf jedem Stadtteilfest. Die Musik läuft, irgendwo lacht jemand zu laut, und du stehst mit einem Becher in der Hand zwischen Leuten, die alle im selben Umkreis von tausend Metern wohnen. Der Bäcker ist da, dessen Brötchen du jeden Samstag kaufst. Die Frau aus dem dritten Stock gegenüber. Der Trainer vom Verein deiner Tochter. Für ein paar Stunden ist Holsterhausen kein Ort auf der Karte, sondern eine Gruppe.
Genau diesen Moment gibt es hier zu selten. Und genau deshalb denkt die IG Holsterhausen e. V. gerade über ein Fest für den Stadtteil nach.
Holsterhausen hat alles – außer einem gemeinsamen Termin
Rund 26.000 Menschen leben hier. Die Gemarkenstraße ist eine Einkaufsstraße mit Bäckereien, Cafés, Praxen, Friseuren und Läden. Das Universitätsklinikum bringt jeden Tag tausende Menschen ins Viertel. Es gibt Schulen, Kirchen, Sportvereine, Chöre und eine Nachbarschaft, die funktioniert, wenn man sie lässt.
Was fehlt, ist der eine Tag im Jahr, an dem das alles gleichzeitig auf der Straße steht. Ein Fest ist kein Luxus. Es ist die einfachste Art, einen Stadtteil sichtbar zu machen – nach innen und nach außen.
Ganz neu ist die Idee übrigens nicht. Die Interessengemeinschaft hat schon einmal ein Stadtteilfest auf die Beine gestellt, unter dem Namen „Holsterhausen erleben“, und einen verkaufsoffenen Sonntag mit Mittelaltermarkt am ersten Advent organisiert. Das ist eine Weile her. Der Faden lässt sich wieder aufnehmen.
Was andere Essener Stadtteile vormachen
Ein Blick nach nebenan lohnt sich – vorsichtig, denn jeder Stadtteil ist anders.
In Rüttenscheid organisiert die dortige Interessengemeinschaft ein ganzes Jahresprogramm. Zur Kunstmeile im Juni zeigen rund hundert Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten in über siebzig Schaufenstern. Im Mai rollen bei der „Tour de Rü“ Oldtimer über die Rüttenscheider Straße, dieses Treffen gibt es seit 2004. Im Advent stehen rund zwanzig Hütten für den Wintermarkt, der seit 2002 läuft. Dazu kommen mehrere verkaufsoffene Sonntage im Jahr. Das große Rü-Fest lief einunddreißig Jahre lang und wurde eingestellt – auch das gehört zur ehrlichen Bilanz: Solche Feste sind Arbeit, und sie halten nur, solange Menschen sie tragen.
In Steele und Kettwig sind es Weinfeste, die Besucher anziehen und mit denen verkaufsoffene Sonntage verbunden werden. Die Stadt Essen veröffentlicht diese Termine halbjährlich. Holsterhausen steht bisher nicht auf der Liste.
Und im Viertel selbst gibt es durchaus schon etwas: „Kindsein in Holsterhausen“, ein Fest für Kinder und Familien auf dem Kirchplatz an St. Mariä Empfängnis an der Holbeinstraße, veranstaltet vom Jugendamt der Stadt Essen zusammen mit der AWO und Einrichtungen aus dem Stadtteil. Es zeigt zweierlei: Der Platz funktioniert. Und Familien kommen, wenn man sie einlädt.
Wie so ein Tag aussehen könnte
Die Vorstellung ist bewusst offen gehalten. Eine kleine Bühne mit Bands aus dem Viertel. Gastronomie aus Holsterhausen, die draußen kocht, statt Fremdanbieter einzufliegen. Eine Ecke für Kinder mit Hüpfburg und Basteltisch. Tische für Vereine und Initiativen. Ein Markt mit Kunsthandwerk. Ein paar Weinstände, an denen man stehen bleibt. Und wenn es gut läuft, am Sonntag offene Läden.
Ob daraus ein Sommerfest, ein Weinfest oder ein Familiennachmittag wird, ist nicht entschieden. Das soll auch niemand am Schreibtisch festlegen. Es ist eine Frage an die Nachbarschaft.
Der eigentliche Grund: Das Geld soll im Viertel bleiben
Ein Fest ist schön. Wichtiger ist, was danach passiert. Wer an einem Tag entdeckt, dass es an der Ecke einen guten Kaffee, einen ordentlichen Schuster oder einen Laden mit freundlicher Beratung gibt, kommt wieder. Nicht jeden Tag, aber öfter als vorher.
Das ist der ganze Trick an lokaler Wirtschaft. Sie lebt nicht von Werbung, sondern davon, dass Menschen wissen, was es gibt. Jeder Euro, der in Holsterhausen ausgegeben wird, zahlt hier Mieten, Löhne und Ausbildungsplätze. Jeder Euro, der in ein Versandlager geht, tut das nicht. Ein Stadtteilfest ist eine der wenigen Gelegenheiten, diesen Unterschied für ein paar tausend Menschen sichtbar zu machen.
Was jetzt passiert – und was nicht
Es gibt keinen Termin. Es gibt keine Genehmigung. Es gibt keine Standliste. Das ist Absicht, denn die Reihenfolge ist umgekehrt: erst Menschen, dann Plan.
Der Verein sammelt deshalb zuerst Ideen und Rückmeldungen. Aus allen, die sich melden, entsteht ein Orga-Team. Dieses Team legt Format, Termin und Fläche fest. Danach kommen Anmeldung bei der Stadt, Genehmigungen und die Vergabe der Standplätze. Und ganz zum Schluss das Fest.
Der Verein bringt dabei ein, was er kann: Organisation, den Weg durch die Genehmigungen, die Gespräche mit der Stadt Essen und die Ankündigung über dieses Portal. Was er nicht kann, ist ein Fest allein stemmen.
Eine Sache wird offen gesagt, damit sie später niemanden überrascht: Mitglieder tragen den Verein – deshalb bekommen sie bei Standplätzen den ersten Zugriff. Mitmachen kann trotzdem jeder. Für Helfer, Musik, Vereine und Ideengeber spielt eine Mitgliedschaft ohnehin keine Rolle.
Dein Teil daran
Wenn du bis hierher gelesen hast, gehörst du vermutlich zu denen, die das Viertel mögen. Dann gibt es zwei einfache Dinge, die du tun kannst.
Schick deine Idee. Ein Satz reicht: Was würde dich an einem Samstagnachmittag aus der Wohnung holen? Oder trag dich als Mitmacher ein – im Orga-Team, mit einem Stand, als Helfer, Sponsor oder mit Musik. Beides findest du auf der Seite zum Stadtteilfest.
Und dann erzähl es weiter. An den Bäcker, an die Nachbarin, an den Trainer im Verein. Feste entstehen nicht durch Beschlüsse. Sie entstehen, weil genug Leute Lust haben.
Fazit
Holsterhausen hat Flächen, Gastronomie, Geschäfte und Vereine. Was fehlt, ist der gemeinsame Termin. Andere Essener Stadtteile zeigen, dass so ein Tag trägt, wenn Menschen ihn tragen. Melde dich unter /stadtteilfest/ – dann wird aus einer Idee ein Datum.

