Gemarkenstraße

Einkaufs- und Flaniermeile, Herz des Stadtteils

Die Gemarkenstraße, Einkaufsstraße in Essen-Holsterhausen
Foto: Friedemann Schütz, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia CommonsCC BY-SA 2.5Quelle

Bäcker, Cafés, Wochenmarkt und rund 200 Jahre Geschichte: Die Gemarkenstraße ist die Einkaufs- und Flaniermeile von Essen-Holsterhausen.

Samstagvormittag in Holsterhausen. Du holst Brötchen, trinkst schnell einen Kaffee, bringst die Hose zur Reinigung und kaufst noch Blumen. Gut möglich, dass du dafür die Gemarkenstraße kein einziges Mal verlassen musst. Im Viertel sagt man oft einfach „auf der Gemarken“. Und jeder weiß, was gemeint ist: die Einkaufs- und Flaniermeile von Essen-Holsterhausen.

Woher kommt der Name?

Hinter dem Namen steckt keine Person, sondern ein Stück Land: die Frohnhauser Mark, auch Gemark genannt. Eine Mark war Land, das die Bauern eines Ortes gemeinsam nutzten, vor allem Wald und Weide. Das Wort ist verwandt mit „Gemarkung“, also dem Gebiet einer Gemeinde. Gemeint ist hier aber nicht eine Grenzlinie, sondern die Mark selbst. Die Straße verband einst die beiden Teile dieser Mark. So wurde aus einem alten Wort für gemeinsam genutztes Land der Name der wichtigsten Straße im Viertel.

Die Mark war groß. Oberförster Pasbach vermaß sie 1794. Nach seiner Rechnung entsprach sie etwa 886 preußischen Morgen. 1817 wurde die Teilung der Mark angeordnet. Ein Vertrag, ein sogenannter Rezess, besiegelte am 30. März 1835 das Ende der gemeinsamen Mark. Der kleinere Teil der Mark lag mitten in Holsterhausen, an der heutigen Savignystraße. Der größere Teil war das Hauptwaldgebiet mit dem Ortsteil Frettholz.

Die älteste Straßenbenennung im Stadtteil

Schon um 1823 wurde die Gemarkenstraße nach ihrer Lage benannt. Damit ist sie laut der Liste der Holsterhauser Straßen die älteste Benennung im ganzen Stadtteil. Damals war Holsterhausen noch ein ländlicher Ort mit Höfen und Kotten. Er gehörte zur Bürgermeisterei Altendorf. Erst 1901 kam Holsterhausen zu Essen.

Danach wuchs der Stadtteil schnell. Rund um die Gemarkenstraße entstand das Viertel, dessen Straßen nach Malern benannt sind. Viele Querstraßen der Gemarkenstraße tragen deshalb Künstlernamen: Dürerstraße, Holbeinstraße, Schongauerstraße, Raffaelstraße, Aldegreverstraße, Ladenspelderstraße und Cranachstraße. Weiter östlich kommen die Juristen: Papestraße, Suarezstraße, Simsonstraße, Küntzelstraße, Carmerstraße und Falkstraße. Mehr dazu im Künstlerviertel und auf der Seite Straßen nach Juristen und Politikern.

Spuren der Geschichte

Ein Orientierungspunkt ist die Kirche St. Mariä Empfängnis an der Holbeinstraße, gleich neben der Gemarkenstraße. Sie wurde von 1895 bis 1897 im neugotischen Stil gebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie 1944 zerstört und Anfang der 1950er-Jahre wieder aufgebaut. Viele im Viertel nennen sie den „Holsterhauser Dom“.

Eine echte Überraschung versteckt sich im Hinterhof der Gemarkenstraße 18. Dort gründete Friedrich Caspar 1924 eine Tankstelle. Sie galt als älteste durchgehend betriebene Tankstelle Deutschlands. Nach 95 Jahren endete der Tankbetrieb im Mai 2019. Mehr dazu liest du beim Eintrag zur ältesten Tankstelle Deutschlands. Bitte beachte: Das Gelände ist privat.

Vor dem Haus Gemarkenstraße 41 liegen Stolpersteine für die Familie Kadden. Moritz und Meta Kadden wurden 1941 nach Minsk deportiert und ermordet. Ihre Söhne Kurt, Gerd und Rainer konnten fliehen. Mehr dazu auf der Seite Stolpersteine in Holsterhausen.

Verlauf und Gemarkenplatz

Die Gemarkenstraße ist rund 1,1 Kilometer lang. Sie beginnt im Westen an der Rembrandtstraße. Von dort führt sie nach Osten über den Gemarkenplatz bis zur Mörikestraße. Nach Westen setzt die Lenbachstraße den Weg fort. An der Gemarkenstraße trifft auch die Hobeisenstraße auf die Rubensstraße.

Der Gemarkenplatz ist das Scharnier des Viertels. Er wurde am 8. März 1922 benannt und misst rund 85 mal 45 Meter. Hier kreuzt die Holsterhauser Straße die Gemarkenstraße. Außerdem mündet die Kahrstraße auf den Platz. Die Kahrstraße ist so etwas wie die kleine Schwester der Gemarkenstraße. Mehr dazu im Beitrag Die Kahrstraße.

Abschnitte der Gemarkenstraße sind als Fahrradstraße ausgewiesen, teils gilt Einbahnverkehr. Für Radfahrer ist sie eine wichtige Verbindung zwischen Rüttenscheid, dem Südviertel und Frohnhausen.

Einkaufen: fast alles auf einer Straße

Die Gemarkenstraße ist eine gewachsene Einkaufsstraße mit vielen kleinen Läden. Laut OpenStreetMap und Recherche findest du hier unter anderem:

Auffällig ist die Zahl der Friseure und Barber. Von Friseursalon Ferdinand Leitsch über Friseur Miriam Pietzka bis Duski’s Barber Shop und Mo’s Barber Shop hast du die Wahl. Alle Adressen findest du im Verzeichnis und auf der Kiez-Karte.

Gastro: von Frühstück bis Feierabendbier

Einmal von West nach Ost

Am besten erlebst du die Gemarkenstraße zu Fuß. Starte im Westen an der Rembrandtstraße. Hier liegen die hohen Hausnummern bis 138. Rund um diesen Abschnitt findest du viele Imbisse, Eiscafés, Kioske und kleine Läden. Weiter östlich, rund um die Nummern 60 bis 95, wird es kleinteiliger: Buchladen, Unverpackt-Laden, Schuhhaus, Cafés und Restaurants reihen sich aneinander. Zwischendurch lohnt ein Abstecher in die Holbeinstraße zur Kirche.

Um die Nummern 35 bis 50 erreichst du den Gemarkenplatz. Hier kreuzt die Holsterhauser Straße, hier liegen Sparkasse, Apotheke, Bäckereien und Blumenläden. Östlich davon wird die Straße ruhiger. Bei Nummer 18 liegt die Einfahrt zur alten Tankstelle. Am östlichen Ende, an der Mörikestraße, bist du fast schon im Südviertel. Für die ganze Strecke brauchst du ohne Pause rund eine Viertelstunde. Mit Pausen wird daraus leicht ein Vormittag.

Wochenmarkt: donnerstags am Nachmittag

Einmal pro Woche wird die Gemarkenstraße noch lebendiger. Donnerstags ist Wochenmarkt. Die Stände stehen auf der Straße, grob zwischen der Papestraße und der Suarezstraße. Das Besondere: Es ist ein Nachmittagsmarkt. Er geht bis in den frühen Abend. So kannst du auch nach der Arbeit noch Obst, Gemüse und mehr einkaufen. Genaue Zeiten können sich ändern. Alles Weitere liest du im Beitrag Wochenmarkt auf der Gemarkenstraße.

Anreise und Haltestellen

Am besten kommst du zu Fuß oder mit dem Rad. Mit Bus und Bahn liegen zwei Haltestellen in Laufweite. Die unterirdische Haltestelle Planckstraße liegt nördlich des Gemarkenplatzes. Die Straßenbahnhaltestelle am Holsterhauser Platz liegt südlich im Künstlerviertel. Im Viertel fahren unter anderem die Linien U17, 101 und 106 der Ruhrbahn. Aktuelle Fahrpläne findest du bei der Ruhrbahn. Mehr Infos auf der Seite Nahverkehr in Holsterhausen.

Charakter heute

Die Gemarkenstraße ist keine glatte Shoppingmeile mit lauter Ketten. Sie ist bunt, ein bisschen wuselig und sehr alltagstauglich. Hier gibt es den Traditionsbäcker neben dem Barbershop, die Apotheke neben dem Döner und den Unverpackt-Laden neben der Kneipe. Morgens holen die Leute Brötchen, mittags wird es an den Imbissen voll, abends brennt Licht in Pizzerien und Kneipen.

Auf dem Gehweg treffen sich alle Generationen: Eltern mit Kinderwagen, Schulkinder auf dem Heimweg und ältere Nachbarn mit Einkaufstrolley. Dazu kommen Leute, die nach der Schicht im nahen Uniklinikum noch schnell etwas besorgen. Genau diese Mischung macht den Reiz aus.

Auch die IG Holsterhausen hat hier ihre Adresse. Die Interessengemeinschaft war lange die Vereinigung der Geschäftsleute an der Gemarkenstraße. Heute setzt sie sich als Verein für den ganzen Stadtteil ein. Nach Osten sind Rüttenscheid und das Südviertel nah, nach Westen geht es über die Lenbachstraße Richtung Frohnhausen.

Fazit

Die Gemarkenstraße ist die Lebensader von Essen-Holsterhausen. Hier kaufst du ein, triffst Nachbarn und findest fast alles für den Alltag. Donnerstags lockt der Markt, im Hinterhof schlummert Autogeschichte. Und ihr Name erinnert daran, dass hier einmal gemeinsamer Wald und Weideland lagen.

In dieser Straße

Läden & Orte: Gemarkenstraße

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