
Höfe, Flurnamen und alte Wege in Essen-Holsterhausen
Hohe Warte, Kahrstraße, Frettholz: Manche Straßennamen in Essen-Holsterhausen sind Jahrhunderte alt. Sie erzählen von Kotten, Wald und Quellwasser.
Maler, Ärzte, Juristen: Die meisten Straßen in Essen-Holsterhausen ehren berühmte Menschen. Aber einige Namen sind viel älter. Sie stammen aus einer Zeit, als hier noch Bauern ihre Felder bestellten und Wald die Hügel bedeckte. Wer sie entschlüsselt, schaut durch ein Fenster in das Dorf, das Holsterhausen einmal war.
Woher kennt man diese Namen?
Viele Hinweise stammen aus alten Steuer- und Grundbuchlisten. Die Landmatrikel von 1668 zählte Höfe und ihre Größe. Die sogenannten Mutterrollen von 1807, 1827 und 1867 hielten fest, wem welches Land gehörte. Dort tauchen Namen wie Kahrgate, Hausacker oder Frettholz auf. Genau diese Namen stehen heute auf den Straßenschildern.
Höfe und Kotten
Ein Kotten war ein kleiner Bauernhof, oft nur ein Haus mit etwas Land. Mehrere Straßen erinnern an solche Anwesen.
- Die Schederhofstraße geht auf den Schederhof zurück. Schon 1437 wurde ein Johan up dem Berge mit dem Gut „op der Schede“ belehnt. 1864 kaufte die Firma Krupp den Hof. Ab 1874 baute sie dort die Arbeiterkolonie Schederhof.
- Die Hohe Warte klingt nach Aussichtspunkt. Tatsächlich steckt der Kotten Howard dahinter. 1528 wird das Gut Howerde genannt, 1668 ein Johan Howar als Bewohner. Aus Howar wurde über die Jahre „Hohe Warte“. Ursprünglich gehörte der Kotten der Jesuitenresidenz am Essener Burgplatz, später dem Kanonikerkapitel. Auch die Lenbachstraße hieß früher Howarenstraße.
- Die Straße Rüscherie erinnert an einen Kötter namens Rüscherei, der 1795 erwähnt wird.
- Die Bramkampstraße und die Stichstraße Bramkamphof erinnern an den Kotten Bramkamp. Er gehörte zum Wientgenhof in Frohnhausen. Die Bramkampstraße ist eine der ältesten Straßen im Stadtteil. Ihr Name ist schon vor 1874 belegt.
- Der Demrathkamp geht auf die Familie Demrath und ein Stück Land namens Demrathskamp zurück. Jakob Demrath war 1662 Kirchenmeister in Essen.
Flurnamen: Namen für Land
Ein Flurname ist der Name eines Stücks Land, eines Feldes oder Waldes. Holsterhausen hat einige davon bewahrt.
- Die Gemarkenstraße ist die wichtigste. Sie wurde um 1823 nach ihrer Lage an der Frohnhauser Mark benannt, auch Gemark genannt. Eine Mark war Land, das die Bauern gemeinsam nutzten. Damit ist die Gemarkenstraße die älteste Straßenbenennung in der Liste.
- Frettholz war ein Ortsteil im großen Waldgebiet dieser Mark. Der Name steht in der Mutterrolle von 1867.
- Die Hausackerstraße geht auf Grundstücke namens Hausacker zurück. Sie gehörten 1867 einem Heinrich Dracke aus Frohnhausen.
- Die Kämpenstraße, die an die Bramkampstraße anschließt, trägt den Flurnamen Kämpen.
Alte Wege und Wasser
Manche Namen beschreiben einfach, was Menschen vor Ort sahen. Der Hohlweg ist ein Weg, der sich über lange Zeit tief ins Gelände gegraben hat. Schon 1668 ist von Land „am Hollenweg“ die Rede. Die Kahrstraße hieß früher Kahrgate, auch Kahrweg. So steht es in der Mutterrolle von 1827. Mehr über diese Straße liest du im Beitrag Die Kahrstraße.
Die Kaupenstraße hat mit Wasser zu tun. Die Kaupe war ein Sammelbecken für Quellwasser des Baches Limbecke. Schon 1434 wird eine Leitung erwähnt, die Wasser in hölzernen Röhren in die Stadt brachte. 1880 wurde die Kaupe wegen Bergschäden geschlossen. Die Straße Am Mühlenbach liegt am Borbecker Mühlenbach im grünen Süden des Stadtteils.
Kleine Geschichten mit großem Charme
Die Windmühlenstraße erinnert an eine Windmühle, die ab 1871 an der Ecke zur Kaulbachstraße stand. 1899 ging sie außer Betrieb, 1905 wurde sie zum Wohnhaus. Die Straße In der Täpperie erinnert an ein kleines Haus, in dem die Familie Täpper lebte. Im Volksmund hieß es „die Täpperie“. Aus dieser Familie stammte der Essener Heimatdichter Wilhelm Täpper (1845–1905).
Und dann ist da die Halbe Höhe. Die Begründung von 1937 ist fast ein Witz: Wer die steile Hohe Warte hinaufsteigt, soll am neuen Schild erkennen, dass er schon die halbe Höhe geschafft hat.
Verschwundene Flurnamen
Nicht alle alten Namen haben überlebt. Ein Teil der heutigen Holsterhauser Straße hieß auf einer Karte von 1823 „Mordgasse“. Der Beiseweg geht auf einen Flurnamen zurück und verschwand nach dem Krieg größtenteils. Die Münchener Straße hieß auf Holsterhauser Gebiet einst Langenstraße, nach einem Hof namens Lange. Die Carmerstraße war früher Teil der Steinforthstraße, benannt nach dem Hof Steinforth.
Tipp für Neugierige
Viele dieser Straßen liegen im Westen und Süden, rund um das Mühlenbachtal. Eine schöne Runde führt von der Hausackerstraße über Frettholz hinunter zur Bramkampstraße. Von dort geht es über Am Mühlenbach ins Grüne.
Alle Straßen dieser Gruppe

Bramkamphof
Bramkamp, Name eines alten Kottens (kleiner Bauernhof)Zur StraßeBramkampstraße
Bramkamp, Name eines alten Kottens (Teil des Wientgenhofs in Frohnhausen)Zur StraßeDemrathkamp
Demrath, Essener Familien- und Flurname (Demrathskamp)Zur StraßeFrettholz
Frettholz, Flurname (Ortsteil im Waldgebiet der Frohnhauser Mark)Zur Straße
Gemarkenstraße
Frohnhauser Mark (Gemark), früher gemeinschaftlich genutztes LandZur StraßeHalbe Höhe
Lagebezeichnung: „auf halber Höhe“ des Anstiegs an der Hohen WarteZur StraßeHausackerstraße
Hausacker, alte Bezeichnung von Grundstücken (Örtlichkeit)Zur StraßeHohe Warte
Howard (Howerde), Name eines alten KottensZur Straße
Hohlweg
Lage an einem Hohlweg (1668 als „Hollenweg“ erwähnt)Zur StraßeIn der Täpperie
Familie Täpper, aus der der Essener Heimatdichter Wilhelm Täpper stammte1845–1905 (Wilhelm Täpper)Zur Straße
Kahrstraße
Alte Wegbezeichnung „Kahrgate“ (Kahrweg), 1827 erwähntZur Straße
Kaupenstraße
Kaupe, historisches Sammelbecken für Quellwasser der LimbeckeZur StraßeRüscherie
Rüscherei, Name eines historischen Kottens (1795 erwähnt)Zur Straße
Schederhofstraße
Schederhof, historischer Bauernhof (1437 erwähnt)Zur StraßeWindmühlenstraße
Windmühle, 1871–1899 an der Ecke Kaulbachstraße in BetriebZur StraßeFazit
Die Höfe, Flurnamen und alten Wege sind das Gedächtnis von Essen-Holsterhausen. Sie erzählen von Kotten, Wald und Quellwasser, lange bevor Krupp und die Großstadt kamen. Geh mal bewusst die Hohe Warte hinauf. Spätestens an der Halben Höhe merkst du, wie lebendig diese alten Namen sind.