Gedenken

Stolpersteine in Holsterhausen

26 Stolpersteine an sieben Adressen erinnern an verfolgte Nachbarinnen und Nachbarn.

stolpersteine in holsterhausen

Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0Quelle

Du gehst die Gemarkenstraße entlang, den Blick aufs Handy. Plötzlich glänzt etwas vor deinen Füßen. Eine kleine Messingplatte, eingelassen ins Pflaster. „Hier wohnte …“ steht darauf. Wer stehen bleibt und liest, begegnet einem Menschen, der hier zu Hause war – bis die Nationalsozialisten ihm dieses Zuhause genommen haben.

Was sind Stolpersteine?

Stolpersteine sind ein Gedenkprojekt des Künstlers Gunter Demnig. Jeder Stein ist etwa so groß wie ein Pflasterstein. Oben liegt eine Messingplatte mit Namen, Geburtsjahr und Schicksal. Die Steine liegen vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Menschen. In Essen koordiniert seit 2004 der Historische Verein für Stadt und Stift Essen die Verlegungen gemeinsam mit Demnigs Stiftung. Der Gedanke dahinter: Man stolpert nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf und mit dem Herzen.

Die Stolpersteine in Holsterhausen

In den öffentlichen Kartendaten von OpenStreetMap sind für Holsterhausen 26 Stolpersteine an sieben Adressen verzeichnet. Die Angaben unten folgen den Inschriften der Steine. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es können weitere Steine hinzugekommen sein.

Ladenspelderstraße 39

  • Manfred Frank – Jahrgang 1886, deportiert am 21.7.1942, tot in Theresienstadt.

Ladenspelderstraße 47

Vor diesem Haus liegen acht Steine für eine Familie über drei Generationen. Sie wurden im Dezember 2011 verlegt.

  • Siegfried Strauss – Jahrgang 1891, 1943 deportiert nach Theresienstadt, im Juli 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
  • Regina Strauss, geb. Rosenberg – Jahrgang 1898, 1943 deportiert nach Theresienstadt, im Juli 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
  • Alfred Strauss – Jahrgang 1891, 1943 deportiert nach Theresienstadt, am 29.9.1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
  • Lore Strauss, geb. Dahl – Jahrgang 1907, 1943 deportiert nach Theresienstadt, am 9.10.1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
  • Richard Strauss – Jahrgang 1926, 1943 deportiert nach Theresienstadt, am 18.12.1943 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
  • Anna Rosenberg, geb. Weyl – Jahrgang 1867, 1943 deportiert nach Theresienstadt, dort gestorben am 9.1.1944.
  • Else Dahl, geb. Blumenthal – Jahrgang 1883, 1943 deportiert nach Theresienstadt, am 9.10.1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
  • Marianne Ellenbogen, geb. Strauss – Jahrgang 1923, untergetaucht, versteckt, überlebt.

Richard Strauss war bei seiner Ermordung noch ein Jugendlicher. Seine Schwester Marianne überlebte im Versteck. Ihre Geschichte hat der Historiker Mark Roseman später in einem Buch erzählt.

Hufelandstraße 25

  • Meier Andorn – Jahrgang 1872, deportiert am 21.7.1942 nach Theresienstadt, dort gestorben am 21.10.1943.
  • Anna Andorn, geb. Loewenstein – Jahrgang 1885, deportiert am 21.7.1942, tot in Theresienstadt.

Holsterhauser Straße 176

  • Ernst Udewald – Jahrgang 1919, 1935 in das Franz-Sales-Haus eingewiesen, am 15.2.1941 nach Hadamar „verlegt“ und dort am selben Tag im Rahmen der „Aktion T4“ ermordet.

Dieser Stein erinnert an die Opfer der sogenannten Euthanasie. Menschen mit Behinderung wurden damals als „lebensunwert“ bezeichnet und getötet.

Steinhausenstraße 47

  • Fritz Grünwald – Jahrgang 1901, Flucht 1938 nach Argentinien.
  • Hanna Grünwald, geb. Mayer – Jahrgang 1905, Flucht 1938 nach Argentinien.
  • Renate Grünwald, verh. Pfromm – Jahrgang 1936, Flucht 1938 nach Argentinien.

Gemarkenstraße 41

  • Moritz Kadden – Jahrgang 1881, 1938 in „Schutzhaft“, 1941 deportiert nach Minsk, ermordet.
  • Meta Kadden, geb. Kadden – Jahrgang 1890, 1941 deportiert nach Minsk, ermordet.
  • Kurt Kadden – Jahrgang 1915, Flucht 1937 nach Palästina.
  • Gerd Kadden – Jahrgang 1921, 1938 „Schutzhaft“ in Dachau, 1939 mit einem Kindertransport nach England, 1940 bis 1942 interniert in England und Kanada.
  • Rainer Kadden – Jahrgang 1921, 1938 „Schutzhaft“ in Dachau, 1939 mit einem Kindertransport nach England, 1940 bis 1942 interniert in England und Kanada.

Cranachstraße 69

  • Sophie Ruhr, geb. Ruhr – Jahrgang 1863, 1942 deportiert nach Theresienstadt, ermordet am 26.8.1942.
  • Betty Ladwig, geb. Ruhr – Jahrgang 1888, 1943 deportiert, ermordet in Auschwitz.
  • Heinz Karl Ladwig – Jahrgang 1912, Flucht 1936 in die USA.
  • Anneliese Ladwig, verh. Lowit – Jahrgang 1914, Flucht 1937 nach England, 1939 nach Kanada.
  • Margot Ladwig – Jahrgang 1917, Flucht 1939 nach England.
  • Ursel Ladwig, verh. Wade – Jahrgang 1924, 1939 mit einem Kindertransport nach England.

Wie du die Steine besuchen kannst

Alle Adressen liegen im Stadtteil nah beieinander. Ein Rundgang zu Fuß dauert etwa eine Stunde. Du kannst an der Gemarkenstraße starten und über die Cranachstraße, die Steinhausenstraße und die Hufelandstraße bis zur Ladenspelderstraße gehen. Bitte geh respektvoll mit den Steinen um. Vielerorts putzen Menschen die Steine regelmäßig, oft rund um den 9. November. So bleiben die Namen lesbar.

Mehr über die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Essen erfährst du in der Alten Synagoge Essen und im Historischen Portal der Stadt Essen. Ein weiterer Gedenkort im Stadtteil sind die Glocken der zerstörten Stahlkirche an der Melanchthonkirche.

Fazit

Die Stolpersteine holen Geschichte zurück in den Alltag von Holsterhausen. Hinter jedem Namen steht ein Mensch, der hier Nachbar war. Nimm dir beim nächsten Spaziergang einen Moment Zeit, um zu lesen und zu erinnern.

Hier findest du’s

Kartendaten und Kacheln © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

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