Gedenken

Glocken der Stahlkirche als Mahnmal

Melanchthonstraße 3, 45147 Essen

Eine der geretteten Glocken trägt die Inschrift „Friede auf Erden“ – und einen Riss aus der Bombennacht.

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Foto: Hugo Schmölz, Public Domain, via Wikimedia CommonsPublic DomainQuelle

Du kommst an der Melanchthonstraße vorbei und siehst zwei alte Glocken. Sie hängen nicht im Turm. Sie stehen unten, auf Augenhöhe. Und eine hat einen Riss. Dahinter steckt eine der spannendsten Geschichten in Holsterhausen.

Eine Kirche aus Stahl und Glas

1928 fand in Köln die große Presseausstellung „Pressa“ statt. Der Architekt Otto Bartning baute dafür eine Kirche aus Stahl und Glas. Sie hatte eine Form wie eine Parabel. Über 600 Fensterfelder aus bleigefasstem Glas ließen Licht hinein. Gestaltet hat sie die Glasmalerin Elisabeth Coester. Die sogenannte Stahlkirche galt als sehr modern.

Der Umzug nach Holsterhausen

Nach der Ausstellung wurde die Kirche abgebaut. Sie wurde der evangelischen Gemeinde Essen-West geschenkt. In Holsterhausen baute man sie wieder auf. Am 22. März 1931 wurde sie als Melanchthonkirche eingeweiht. Den Altar und ein großes Kruzifix schuf der Künstler Hans Wissel.

Zerstört im Krieg

Am 9. März 1942 traf ein Luftangriff Holsterhausen. Brandbomben zerstörten die Stahlkirche. Von den fünf Glocken konnten nur zwei geborgen werden. Eine davon trägt die Inschrift „Friede auf Erden“. Durch die Zerstörung zieht sich ein Riss durch das Metall. Kaum ein Bild könnte deutlicher zeigen, was Krieg anrichtet.

Die Glocken heute

Die beiden Glocken stehen als Mahnmal neben der heutigen Melanchthonkirche. Das neue Gemeindezentrum wurde von 1970 bis 1972 gebaut. In OpenStreetMap ist der Ort als „2 Glocken aus dem 2. Weltkrieg als Mahnmal“ eingetragen. Die Glocken sind vom Gehweg aus gut zu sehen. Du musst nicht in die Kirche gehen, um sie zu betrachten.

Warum du hier stehen bleiben solltest

Holsterhausen wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Danach galt der Stadtteil als das größte zusammenhängende Wiederaufbaugebiet Westdeutschlands. Viele Häuser, an denen du heute vorbeigehst, sind in den Jahren danach entstanden. Die Glocken sind eines der wenigen sichtbaren Zeichen dieser Zeit. Sie verbinden Architekturgeschichte, Kriegsgeschichte und den Wunsch nach Frieden. Weitere Gedenkorte im Viertel findest du auf der Seite Stolpersteine in Holsterhausen.

Fazit

Zwei Glocken, ein Riss, eine Inschrift: Dieses Mahnmal erzählt in wenigen Sekunden eine große Geschichte. Es erinnert an eine besondere Kirche und an die Zerstörung von Essen-Holsterhausen im Krieg. Ein Ort zum kurzen Innehalten.

Hier findest du’s

Kartendaten und Kacheln © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

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