Vielfalt in Holsterhausen: ein Viertel, viele Geschichten
Menschen aus vielen Ländern, Generationen und Lebenswegen teilen sich Holsterhausen. Warum diese Mischung das Viertel stark macht.
Stell dich mal eine Viertelstunde an die Ecke Gemarkenstraße. Hör einfach zu. Du hörst Deutsch mit Ruhrpott-Einschlag. Du hörst Türkisch, Arabisch, Griechisch, Polnisch, Englisch. Eine Oma schimpft liebevoll mit ihrem Enkel, zwei Studentinnen diskutieren über eine Prüfung. Das ist Holsterhausen. Und es war schon immer so.
Ein Viertel der Neuanfänge
Vielfalt ist in Holsterhausen nichts Neues. Das Viertel ist durch Zuzug entstanden. Im 19. Jahrhundert kamen Tausende Menschen, um im Bergbau und bei Krupp zu arbeiten. Sie kamen aus ländlichen Regionen, aus dem Osten und aus vielen anderen Gegenden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die nächste große Welle. Laut Stadt Essen fanden viele Geflüchtete aus dem Osten in Holsterhausen ein neues Zuhause. Später kamen Menschen aus Südeuropa, der Türkei und vielen weiteren Ländern. Heute leben hier Menschen mit Wurzeln in aller Welt.
Mehr zur Geschichte liest du im Beitrag über den Wiederaufbau.
Vielfalt schmeckt man
Am deutlichsten wird die Vielfalt beim Essen. Auf wenigen Straßen findest du Küchen aus vielen Ländern:
- Griechisch im Delphi, im Lindos oder beim Nikolaus Grill
- Marokkanisch im Petit Marrakesch
- Indisch im Sarovar
- Thailändisch im Mekong
- Vietnamesisch-asiatisch im Da Nang
- Japanisch im Onigiri oder in der Asia Sushi Bar
- Koreanisch inspiriert im Café Club Soomi
- Türkisch in vielen Grillhäusern und bei Ya Me
- Italienisch in zahlreichen Pizzerien und Trattorien
- Und dazu ein Mix wie bei Namaste Nonna, wo Pizza auf indische Küche trifft
Mehr dazu im Beitrag über internationale Küche.
Alle Generationen unter einem Dach
Vielfalt heißt nicht nur Herkunft. Es heißt auch Alter. In Holsterhausen leben Studierende neben Rentnern, junge Familien neben alleinstehenden Senioren. Das merkst du im Straßenbild.
Einige Einrichtungen bringen die Generationen gezielt zusammen. Das Lukas-K-Haus an der Planckstraße ist ein Mehrgenerationenhaus in einer früheren Kirche. Es gibt Seniorenhäuser wie das Otto-Hue-Haus. Und es gibt Jugendhäuser wie das Wichernhaus und das Falkenzentrum.
Glaube in vielen Formen
Auch religiös ist Holsterhausen bunt. Die katholische Kirche St. Mariä Empfängnis prägt die Gemarkenstraße. Die evangelische Melanchthonkirche liegt an der Melanchthonstraße. Die methodistische Friedenskirche steht an der Menzelstraße. Dazu kommt eine Apostolische Gemeinde und das Kloster der Augustiner Chorfrauen. Viele Menschen im Viertel sind muslimisch, andere gehören keiner Religion an. Alle teilen sich dieselben Straßen.
Inklusion: Vielfalt ohne Barrieren
Ein Punkt, der oft vergessen wird: Menschen mit Behinderung. In Holsterhausen sind mehrere Einrichtungen der Lebenshilfe Essen zu Hause. Dazu gehören ein Inklusionsunternehmen, ein Kompetenzzentrum Autismus und Angebote für Familien. Auch der Landesverband der Gehörlosen und der Gebärdensprachgemeinschaft NRW hat hier eine Adresse. Das macht Holsterhausen zu einem Ort, an dem Inklusion im Alltag sichtbar ist. Du begegnest Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten beim Bäcker, in der Bahn und im Park. Das ist normal – und genau so soll es sein. Wer mehr über soziale Angebote wissen will, schaut in die Rubrik Soziales.
Läden aus aller Welt
Auch beim Einkaufen zeigt sich die Vielfalt. Auf der Gemarkenstraße findest du eine Bäckerei mit Balkan-Spezialitäten, türkische Grillhäuser, italienische Eisdielen und belgische Schokolade im Brüsseler Markt. Dazu kommen Kioske, deren Besitzer oft mehrere Sprachen sprechen. Wer hier einkauft, reist ein bisschen um die Welt, ohne Essen zu verlassen.
Viele dieser Geschäfte sind Familienbetriebe. Oft arbeiten mehrere Generationen zusammen hinter der Theke. Das macht den Einkauf persönlich. Man kennt sich, man grüßt sich, man fragt nach.
Wo es auch knirscht
Schönreden hilft niemandem. Wo viele verschiedene Menschen dicht zusammenleben, gibt es auch Reibung. Lärm im Hinterhof, Müll an der Ecke, Missverständnisse wegen der Sprache. Das gehört zur Wahrheit.
Aber die Erfahrung zeigt: Wer miteinander redet, löst die meisten Probleme. Ein freundliches „Hallo“ im Treppenhaus, eine kleine Nachricht an der Tür, ein Gespräch beim Markt. Das wirkt oft mehr als jede Beschwerde.
Wie du Teil der Vielfalt wirst
Vielfalt lebt davon, dass Menschen sich begegnen. Ein paar Ideen:
- Probier jede Woche ein neues Restaurant im Viertel aus.
- Geh auf Stadtteilfeste und Flohmärkte.
- Engagiere dich ehrenamtlich, zum Beispiel in einem Verein. Tipps findest du im Beitrag Ehrenamt in Holsterhausen.
- Lerne ein paar Worte in einer Sprache deiner Nachbarn. Das öffnet Türen.
Fazit
Holsterhausen ist seit über hundert Jahren ein Viertel der Neuanfänge. Menschen aus vielen Ländern, Generationen und Lebenswegen teilen sich hier Straßen, Läden und Treppenhäuser. Das ist nicht immer einfach, aber es macht das Viertel lebendig, offen und ziemlich lecker.