Arbeiterdichter

Christoph Wieprecht

1875–1942

Christoph Wieprecht starb 1942 in Essen-Holsterhausen.

Stell dir einen Mann an der Fräsmaschine vor. Laut, heiß, staubig. Abends sitzt er am Tisch und schreibt Gedichte. So ungefähr sah das Leben von Christoph Wieprecht aus.

Aus einer Arbeiterfamilie

Christoph Wieprecht wurde am 15. Oktober 1875 in Altendorf geboren. Das ist der Nachbarstadtteil von Holsterhausen. Seine Familie war aus dem Eichsfeld ins Ruhrgebiet gezogen, um Arbeit zu finden. Nach der Volksschule begann er 1890 bei Krupp.

37 Jahre bei Krupp

Er fing als Laufbursche an. Später arbeitete er als Fräser und Dreher. Am Ende war er Fabrikaufseher. Wieprecht war gläubiger Katholik. Er gehörte dem Christlichen Metallarbeiterverband an. 1927 musste er wegen einer Nervenkrankheit früh in Rente gehen.

Der Arbeiterdichter

Um 1910 fing Wieprecht an, Gedichte zu schreiben. Ab 1916 erschienen sie in Büchern. In seinen Texten geht es um die Arbeit in der Metallindustrie. Er verarbeitete, was er selbst in der Fabrik erlebte. Oft überhöhte er die Arbeit, fast wie einen Gottesdienst. Manche Gedichte nutzen Mittel des Expressionismus.

Einige seiner Bücher

  • „Flammen“ (1916)
  • „Hammer und Schwert“ (1918)
  • „Erde“ (1922)
  • „Nachtgesang“ (1924)
  • „Aus eisernen Tiefen“ (1932)

Wieprecht war mit anderen Autoren vernetzt. Er hatte Kontakt zu den „Werkleuten auf Haus Nyland“ und gehörte ab 1924 zum „Ruhrlandkreis“.

Ein schwieriges Kapitel

Zur Wahrheit gehört auch: Nach 1933 veröffentlichte er nur noch wenig. Trotzdem förderte die NS-Kulturpolitik ihn als Autor. Wieprecht äußerte sich im Gegenzug positiv über das Dritte Reich. Das gehört zu seiner Geschichte dazu und sollte nicht verschwiegen werden.

Sein Ende in Holsterhausen

Christoph Wieprecht starb am 24. September 1942 in Essen-Holsterhausen. Der Stadtteil lag damals nah an den großen Krupp-Werken. Viele Menschen, die dort arbeiteten, wohnten hier. Teile seines Nachlasses liegen heute im Fritz-Hüser-Institut in Dortmund. Das Institut sammelt Literatur aus der Arbeitswelt. Auch das Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren führt ihn mit einem eigenen Eintrag. Wieprecht steht damit für eine ganze Gruppe: Menschen, die selbst an der Maschine standen und über ihren Alltag schrieben.

Mehr aus seiner Feder

Zu seinen weiteren Büchern gehören „Arbeiter-Märtyrer“ (1923), „Im wachsenden Erz“ (1933) und „Werkgemeinschaft“ (1938). 1929 gab er zusammen mit Wolfgang Wallisfurth „Die katholische Anthologie“ heraus. Das Fritz-Hüser-Institut veröffentlichte 1993 einen Band über ihn als „christlichen Arbeiterschriftsteller“.

Wie nah Krupp und Holsterhausen damals zusammenlagen, zeigt die Siedlung Alfredshof. Krupp baute sie zwischen 1893 und 1918 für seine Beschäftigten, mitten im Stadtteil.

Fazit

Christoph Wieprecht gab der Fabrikarbeit eine Stimme. Sein Werk zeigt, wie Krupp das Leben im Essener Westen prägte. Seine späte Nähe zum NS-Staat macht ihn aber zu einer Figur, über die man kritisch sprechen muss.

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