theo gaudig

Foto: OhJott, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0Quelle

Arbeiterfotograf und Zeitzeuge

Theo Gaudig

1904–2003

Theo Gaudig fand nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald 1945 mit seiner Frau eine Wohnung in Essen-Holsterhausen.

Stell dir vor, du bist Schüler und sitzt in der Alten Synagoge. Vor dir ein älterer Mann. Er erzählt, wie er fast 15 Jahre im Gefängnis und im KZ überlebt hat. Für viele Essener Schulklassen war das Theo Gaudig.

Dreher mit Kamera

Theo Gaudig wurde am 20. Mai 1904 in Essen geboren. Er lernte den Beruf des Drehers. Später arbeitete er bei Krupp, oft unterbrochen von Arbeitslosigkeit. In dieser Zeit entdeckte er die Fotografie. Er kaufte sich vom Ersparten eine Kamera. Gaudig wurde Teil der Bewegung der Arbeiterfotografen.

Berühmte Bilder

Er fotografierte den KPD-Politiker Ernst Thälmann 1927 in Essen. Ein heimlich aufgenommenes Selbstporträt an seinem Arbeitsplatz bei Krupp landete 1928 auf dem Titel einer Arbeiterzeitschrift. Kamera, Platte und Titelbild zeigt heute das Ruhr Museum auf Zollverein.

15 Jahre ohne Freiheit

1928 ging Gaudig nach Bukarest. Er arbeitete in einem Fotoladen, der auch ein Stützpunkt der verbotenen rumänischen KP war. 1930 wurde er verhaftet und zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Elf Jahre verbrachte er in rumänischen Gefängnissen. 1942 schob man ihn nach Deutschland ab. Dort brachte ihn die Gestapo ins KZ Buchenwald. Erst am 11. April 1945 wurde er befreit.

Neustart in Holsterhausen

Zurück in Essen heiratete er im Juni 1945 seine Verlobte Maria. Eine Wohnung fand das Paar in Essen-Holsterhausen. Der Stadtteil war damals schwer zerstört. Holsterhausen wurde später das größte zusammenhängende Wiederaufbaugebiet Westdeutschlands. Gaudig arbeitete als Aushilfe bei der Bahn.

Brücken nach Frankreich

Im Gefängnis hatte er Französisch gelernt. Das half ihm später. Ab den 1960er-Jahren begleitete er Begegnungen zwischen Essen und Ivry bei Paris. Ehemalige Widerstandskämpfer aus beiden Ländern wollten so zur Versöhnung beitragen. Gaudig übersetzte.

Der Zeitzeuge

1980 wurde die Alte Synagoge Essen als Mahn- und Gedenkstätte eröffnet. Gaudig war von Anfang an dabei. Er half, Dokumente aufzuarbeiten. Und er sprach mit Jugendlichen, manchmal fast jede Woche. Der WDR drehte einen Dokumentarfilm über ihn. 2002 erhielt er die Ehrenplakette der Stadt Essen. Theo Gaudig starb am 16. März 2003 in Essen.

Kleine Details, große Geschichte

Als Gaudig 1930 in Bukarest verhaftet wurde, war seine Verlobte Maria gerade auf dem Weg zur Hochzeit. Sie musste umkehren. Erst 15 Jahre später konnten die beiden heiraten. 1976 war Gaudig dabei, als sich der Bundesverband der Arbeiterfotografie in Essen neu gründete. Zu seinem 90. Geburtstag lud die Stadt Essen 1994 zu einem Empfang in die Alte Synagoge. 2016 pflanzten junge Gewerkschafter in Buchenwald einen Baum für ihn, mit einer Gedenktafel.

Fazit

Theo Gaudig zeigte mit seinen Fotos das Leben der Arbeiter. Nach Jahren der Verfolgung fand er in Holsterhausen ein Zuhause. Und er gab seine Erfahrungen an Generationen von Schülern weiter.