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Otto Bartning
1883–1959
Otto Bartnings Stahlkirche wurde 1931 als Melanchthonkirche in Essen-Holsterhausen wieder aufgebaut und stand dort bis zu ihrer Zerstörung 1942.
Stell dir eine Kirche vor, die fast nur aus Stahl und buntem Glas besteht. Über 600 Fensterfelder, 20 Meter hohe Stahlträger. Klingt futuristisch? So eine Kirche stand tatsächlich in Holsterhausen. Entworfen hat sie Otto Bartning.
Ein Architekt für Kirchen
Otto Bartning wurde am 12. April 1883 in Karlsruhe geboren. Schon als Student baute er seine erste Kirche. Bekannt wurde er vor allem mit Kirchenbauten. Er gehörte zu den Vordenkern des Bauhauses und leitete von 1926 bis 1930 die Staatliche Bauhochschule in Weimar.
Essen spielt eine besondere Rolle
Seine erste Kirche in Deutschland entstand 1909 und 1910 in Essen, am Moltkeplatz. 1929 und 1930 folgte die Auferstehungskirche an der Manteuffelstraße. Essen war für Bartning also keine fremde Stadt.
Die Stahlkirche
1928 fand in Köln die große Presseausstellung „Pressa“ statt. Bartning sollte dafür einen Bau entwerfen, den man später woanders wieder aufbauen konnte. So entstand die Stahlkirche. Sie bestand aus vorgefertigten Stahlteilen. Die Glasmalerin Elisabeth Coester gestaltete die vielen bleiverglasten Fenster. Der Bildhauer Hans Wissel schuf ein überlebensgroßes Kruzifix, den Altar und die Kanzel. Die Kirche machte Bartning weltweit bekannt.
Umzug nach Holsterhausen
Nach der Ausstellung wurde die Kirche abgebaut. Sie ging kostenlos an die evangelische Gemeinde Essen-West. In Holsterhausen wurde sie neu aufgebaut, zwischen Melanchthonstraße, Holsterhauser Platz, Holsterhauser Straße und Rubensstraße. Am 22. März 1931 wurde sie als Melanchthonkirche eingeweiht.
Der Holsterhauser Platz hat übrigens selbst eine spannende Geschichte. Bei der Eingemeindung 1901 versprach die Stadt Essen, in Holsterhausen einen Platz für den Wochenmarkt zu schaffen. So entstand er.
Dunkle Jahre und Zerstörung
Nach 1933 bekamen in der Gemeinde die regimetreuen Deutschen Christen die Oberhand. Sie lehnten die moderne Kunst in der Kirche ab. 1935 wurde sogar die Christusfigur vom Altarkreuz entfernt.
Am 9. März 1942 trafen Brandbomben die Stahlkirche. Sie war das erste Essener Gotteshaus, das im Krieg vernichtet wurde. Auch der Melanchthon-Bunker wurde getroffen. 84 Menschen starben in den Trümmern.
Was geblieben ist
Zwei beschädigte Glocken konnten geborgen werden. Eine trägt die Inschrift „Friede auf Erden“. Durch sie geht seit der Zerstörung ein tiefer Riss. Beide Glocken stehen heute als Mahnmal neben dem Eingang des Nachfolgebaus. Den neuen Kirchbau gestaltete Anfang der 1970er der Künstler Otto Herbert Hajek.
Nach dem Krieg
Bartning entwarf nach 1945 Notkirchen für ganz Deutschland. 43 davon wurden gebaut. In Essen entstand 1948/49 die Apostel-Notkirche. Er starb am 20. Februar 1959 in Darmstadt.
Fazit
Otto Bartning schuf mit der Stahlkirche ein Stück Architekturgeschichte. Elf Jahre lang stand sie in Holsterhausen. Die Glocken an der heutigen Melanchthonkirche erinnern bis heute an sie und an die Opfer des Krieges.

