
Foto: Andreas Praefcke, Public domain, via Wikimedia CommonsPublic DomainQuelle
Otto Herbert Hajek
1927–2005
Otto Herbert Hajek gestaltete von 1970 bis 1972 den Neubau der Melanchthonkirche in Essen-Holsterhausen.
Bunte Farbwege auf Beton, Skulpturen aus Stahl: Otto Herbert Hajek war einer der bekanntesten Bildhauer der Bundesrepublik. Seine Werke wurden weltweit gezeigt, etwa in Moskau, Adelaide und in den Vatikanischen Museen. Und eines seiner Werke steht mitten in Holsterhausen.
Kindheit und Krieg
Otto Herbert Hajek wurde am 27. Juni 1927 in Kaltenbach in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Seine Familie gehörte zur deutschsprachigen Minderheit. Als Jugendlicher war er in der Hitlerjugend. Ende 1944 musste er noch zur Waffen-SS. Nach dem Krieg wurde seine Familie vertrieben. 1947 machte er in Erlangen Abitur.
Der Weg zum Bildhauer
Von 1947 bis 1954 studierte Hajek Bildhauerei an der Kunstakademie in Stuttgart. Danach arbeitete er dort als freier Künstler. Seine Lebensumstände waren anfangs schwierig. Doch dann kam der Durchbruch.
documenta und Künstlerbund
Hajek stellte 1959 und 1964 auf der documenta in Kassel aus. Das ist eine der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt. Von 1972 bis 1979 war er Vorsitzender des Deutschen Künstlerbunds. Dort setzte er sich vor allem für die soziale Absicherung von Künstlern ein. Von 1980 bis 1992 lehrte er als Professor für Bildhauerei in Karlsruhe.
Die Melanchthonkirche
An der Melanchthonstraße stand einst die berühmte Stahlkirche von Otto Bartning. Sie wurde 1942 im Krieg zerstört. Nach dem Krieg entstand dort zunächst ein Gemeindesaal. 1964 gab es einen Architektenwettbewerb für einen Neubau. Von 1970 bis 1972 gestaltete Hajek dann die neue Melanchthonkirche.
Die Kirche heute
Heute bildet die Melanchthonkirche mit dem MelanchthonGemeindeZentrum, kurz MGZ, einen Treffpunkt im Stadtteil. Zusammen mit der Erlöserkirche gehört sie zur Evangelischen Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen. Im MGZ finden regelmäßig Gruppen, Cafés und Konzerte statt. Vielleicht warst du schon mal drin, ohne zu wissen, wer den Bau gestaltet hat. Neben dem Eingang stehen die zwei geretteten Glocken der Stahlkirche.
Kunst im öffentlichen Raum
Hajek wollte Kunst dorthin bringen, wo Menschen leben. Er gestaltete Plätze, Fassaden und Schulen. Seine „Farbwege“ zogen sich über Wände und Böden. Manche Werke waren umstritten, etwa ein Brunnen in Mülheim an der Ruhr. Er wurde 1977 aufgestellt und sorgte später im Wahlkampf für Streit. Für seine Arbeit erhielt Hajek unter anderem 1982 das Verdienstkreuz 1. Klasse und einen Ehrendoktor der Universität Tübingen.
1978 verlieh ihm das Land Baden-Württemberg den Professorentitel. Er lebte bis zuletzt in Stuttgart und starb dort am 29. April 2005.
Fazit
Otto Herbert Hajek brachte große Kunst in den Alltag. In Holsterhausen gab er der Melanchthonkirche nach dem Krieg ein neues Gesicht. Wer am Holsterhauser Platz vorbeigeht, begegnet also einem documenta-Künstler.


