
Straßen nach Industrie und Technik in Essen-Holsterhausen
Krupp, Harkort, Borsig: Im Norden von Essen-Holsterhausen erzählen die Straßennamen von Stahl, Maschinen, Bergbau und der Siedlung Alfredshof.

Du stehst auf der Brücke über die A 40 und schaust nach unten. Autos, Lkw, Lärm. Kaum zu glauben, dass hier einmal eine ganz normale Straße verlief: die Kruppstraße. Im Norden von Essen-Holsterhausen erzählen die Straßennamen von Stahl, Maschinen und Konzernchefs. Und von einer Siedlung, die Krupp für seine Leute gebaut hat.
Der Norden: Werkbank des Stadtteils
Die Wikipedia-Liste der Holsterhauser Straßen beschreibt es klar: Im Norden gibt es die Straßennamengruppe bedeutender Unternehmer. Das passt. Die Firma Krupp prägte diesen Teil von Essen über Jahrzehnte. 1864 kaufte Krupp den alten Schederhof. Ab 1874 entstand dort die Arbeiterkolonie Schederhof. Dazu kam die Siedlung Alfredshof. Mehr zur Geschichte liest du im Beitrag Krupp baut ein Viertel.
Die Krupp-Straßen der Siedlung Alfredshof
Die Siedlung Alfredshof war zuerst häuserweise nummeriert. Erst am 9. Oktober 1914 bekamen ihre Straßen Namen. Viele erinnern an leitende Krupp-Leute, damals „Kruppsche Beamte“ genannt:
- Adolf-Schmidt-Straße: Adolf Schmidt (1846–1910) saß von 1889 bis 1910 im Direktorium der Friedrich Krupp AG.
- Asthöwerstraße: Fritz Asthöwer (1835–1913) war Krupp-Direktor und Essener Stadtverordneter. Die erste Asthöwerstraße verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit 1957 gibt es eine neue.
- Menshausenstraße: Carl Menshausen (1847–1909) vertrat Krupp in China und in Paris. Später saß er im Direktorium.
- Jenckestraße: Hanns Jencke (1843–1910) war Vorsitzender des Krupp-Direktoriums. Die heutige Jenckestraße gibt es seit 1959. Sie verläuft parallel zur Autobahn.
- Hartmannplatz: Gustav Hartmann (1842–1910) leitete von 1903 bis 1909 den Aufsichtsrat.
- Thielenplatz: Karl von Thielen (1832–1906) war Aufsichtsratsmitglied und preußischer Politiker.
Die Straße Am Alfredspark erinnert an den Park der Siedlung. Namensgeber von Siedlung und Park ist Alfred Krupp. Die Margaretenstraße ehrt Margarethe Krupp (1854–1931). Sie leitete den Konzern treuhänderisch, gründete Stiftungen und wurde die erste Ehrenbürgerin Essens. Ihre Straße verband einst die Siedlungen Alfredshof und Kronenberg.
Einige Straßennamen der Siedlung gibt es nicht mehr. Die Dünkelbergstraße, die Fittingstraße und die Großstraße wurden nach dem Krieg aufgehoben und überbaut. Von der Bessemerstraße, benannt nach dem Stahl-Pionier Henry Bessemer, ist nur ein Stück als Teil der Jenckestraße geblieben.
Die Kruppstraße: vom Boulevard zur Autobahn
Die Kruppstraße hieß anfangs Sachsenstraße. Sie war als große Ost-West-Achse geplant, vom Hauptbahnhof über Holsterhausen und Frohnhausen bis nach Mülheim. Später wurde sie Teil der Bundesstraße 1, dann der A 430 und schließlich der A 40. In Holsterhausen heißt heute nur noch ein kurzer Abschnitt südlich der Autobahn Kruppstraße, zwischen Papestraße und Savignystraße.
Erfinder und Unternehmer
Schon am 16. Mai 1902 bekamen mehrere Straßen im Norden die Namen großer Techniker:
- Harkortstraße: Friedrich Harkort (1793–1880) gilt als „Vater des Ruhrgebiets“. Die Straße hieß vorher Hubertusstraße.
- Borsigstraße: August Borsig (1804–1854) gründete die Borsigwerke in Berlin.
- Grusonstraße: Hermann Gruson (1821–1895) war Ingenieur, Erfinder und Unternehmer.
- Corlißstraße: George Henry Corliss (1817–1888) aus den USA verbesserte die Dampfmaschine. In der NS-Zeit trug die Straße kurz die Namen Garthestraße und Erich-Garthe-Straße. 1945 bekam sie ihren Namen zurück.
- Diergardtstraße: Friedrich von Diergardt (1795–1869) war rheinischer Industrieller und Seidenfabrikant.
- Dinglerstraße: Johann Gottfried Dingler (1778–1855) war Chemiker und Fabrikant.
Auch der Bergbau hat Spuren hinterlassen. Die Hobeisenstraße wurde schon 1892 nach der Zeche Hobeisen benannt. Deren Name geht wiederum auf eine alte Flurbezeichnung zurück. Die Krawehlstraße ehrt Otto Krawehl (1875–1936). Er war Bergassessor, leitete die Arenberg’sche AG für Bergbau und Hüttenbetrieb und saß im Essener Rat.
Verschwundene Werkstraßen
Nicht jede Industrie-Straße hat überlebt. Die Intzestraße, benannt nach dem Wasserbauingenieur Otto Intze, führte von der Kreuzung Harkort- und Bunsenstraße nach Süden zur Münchener Straße. Sie wurde eingezogen und gehört heute zum Fabrikgelände. Der Schederhofer Platz war einst die Mitte der Arbeiterkolonie Schederhof. Um 1945 wurde er aufgehoben und überbaut. Die Schederhofstraße erinnert bis heute an den alten Hof, auf dessen Land die Kolonie entstand.
Technik der Nachkriegszeit
Nach dem Krieg kamen neue Namen dazu, die ganz nüchtern die Lage beschreiben. Die Gewerbehofstraße wurde 1957 angelegt, um ein Gewerbegebiet zu erschließen. Die Straße Am Funkturm erinnert an einen 181 Meter hohen Richtfunkmast der Bundesbahn. Er stand ab 1955 und wurde 1971 abgebaut. Die Straße Am Fernmeldeamt liegt am Fernmeldeamt, das die Post 1970 baute. Der jüngste Name in ganz Holsterhausen stammt von 2012: Am EUROPA-CENTER.
Alle Straßen dieser Gruppe


Am Alfredspark
Alfredspark in der Siedlung Alfredshof (benannt nach Alfred Krupp)Zur StraßeAm EUROPA-CENTER
Lage am EUROPA-CENTERZur Straße
Am Fernmeldeamt
Lage am ehemaligen Fernmeldeamt der Deutschen BundespostZur Straße
Am Funkturm
Lage am ehemaligen Richtfunkmast der Deutschen Bundesbahn (1955–1971)Zur Straße
Asthöwerstraße
Fritz (Friedrich Joseph) Asthöwer, Ingenieur, Krupp-Direktor und Stadtverordneter1835–1913Zur Straße
Borsigstraße
August Borsig, Unternehmer und Gründer der Borsigwerke1804–1854Zur Straße
Corlißstraße
George Henry Corliss, US-amerikanischer Erfinder und Maschinenbauer1817–1888Zur Straße
Diergardtstraße
Friedrich Freiherr von Diergardt, rheinischer Industrieller und Seidenfabrikant1795–1869Zur Straße
Dinglerstraße
Johann Gottfried Dingler, Chemiker, Fabrikant und Herausgeber des Polytechnischen Journals1778–1855Zur StraßeGewerbehofstraße
Lage in einem GewerbegebietZur Straße
Grusonstraße
Hermann Gruson, Ingenieur, Erfinder und Unternehmer (Grusonwerk Magdeburg)1821–1895Zur Straße
Harkortstraße
Friedrich Harkort, Unternehmer und Politiker, „Vater des Ruhrgebiets“1793–1880Zur Straße
Hartmannplatz
Gustav Hartmann, Unternehmer, Aufsichtsratsvorsitzender der Fried. Krupp AG1842–1910Zur Straße
Hobeisenstraße
Zeche Hobeisen (ehemaliges Steinkohlenbergwerk)Zur Straße
Jenckestraße
Hanns Jencke, Direktoriumsvorsitzender der Firma Krupp1843–1910Zur StraßeKrawehlstraße
Otto Krawehl, Bergbau-Manager, Kaufmann und Essener Ratsherr1875–1936Zur Straße
Kruppstraße
Familie Krupp, Essener IndustriellenfamilieZur Straße
Margaretenstraße
Margarethe Krupp, Konzernleiterin, Stifterin und erste Ehrenbürgerin Essens1854–1931Zur Straße
Menshausenstraße
Carl Menshausen, Direktoriumsmitglied der Firma Krupp1847–1909Zur Straße
Thielenplatz
Karl von Thielen, Verwaltungsjurist, Aufsichtsratsmitglied der Friedrich Krupp AG1832–1906Zur StraßeFazit
Der Norden von Essen-Holsterhausen ist das Industriekapitel des Stadtteils. Krupp-Direktoren, Erfinder und Bergbau-Manager stehen hier auf den Schildern. Vieles von damals liegt heute unter Autobahn und Gewerbehallen. Die Namen halten die Geschichte trotzdem wach.