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Krupp baut ein Viertel: die Siedlung Alfredshof

Gartenstadt für Arbeiterfamilien, zerstört im Krieg, neu gedacht als Alfredspark: die Geschichte der Krupp-Siedlung in Holsterhausen.

Warum heißt ein Park mitten im dicht bebauten Holsterhausen ausgerechnet Alfredspark? Und warum tragen kleine Straßen im Norden Namen wie Asthöwer, Menshausen oder Adolf Schmidt, die kaum jemand kennt? Die Antwort hat einen Namen: Krupp.

Ein Stahlwerk braucht Wohnungen

Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Gussstahlfabrik von Krupp rasant. Sie lag gleich nordöstlich von Holsterhausen. Tausende Arbeiter kamen nach Essen. Wohnraum war knapp und oft schlecht. Schon unter Alfred Krupp hatte die Firma um 1860 eigene Wohnungen gebaut, etwa die Kolonie Schederhof. Aus Geldnot wurde der Werkswohnungsbau 1874 aber gestoppt.

Erst sein Sohn Friedrich Alfred Krupp nahm ihn wieder auf. 1891 begannen die Planungen für eine neue Siedlung in Holsterhausen. Zeitgleich wurde die Siedlung Altenhof in Rüttenscheid geplant. In den ersten Veröffentlichungen hieß das Projekt noch „Kolonie Holsterhausen“. Später bekam es den Namen Alfredshof, nach Alfred Krupp.

Gartenstadt statt Mietskaserne

Der erste Bauabschnitt entstand zwischen 1893 und 1899. Er lag zwischen Münchener Straße und Keplerstraße, auf beiden Seiten der heutigen A40. Damals verlief dort noch die Kruppstraße. So konnten die Bewohner zu Fuß zu den Fabriken laufen.

Das Vorbild kam aus England: die Gartenstadt. Statt enger Hinterhöfe gab es kleine Häuser für eine bis vier Familien. Dazu Gärten, Grün und ruhige Wege. Anders als im Altenhof wohnten hier keine Rentner, sondern aktive Arbeiter. Der Architekt war Robert Schmohl. Er leitete das Baubüro von Krupp. Der Alfredshof wurde die größte Essener Krupp-Siedlung vor dem Zweiten Weltkrieg.

Durchdacht bis ins Detail

Die Ausstattung galt damals als vorbildlich. Bei Doppelhäusern lagen die Eingänge auf gegenüberliegenden Seiten. So hatte jede Familie ein Stück Eigenständigkeit. Krupp ließ sogar eigene Möbel entwickeln. Sie waren in Serie herstellbar und bezahlbar. Funktional, geradlinig und robust – ohne teures Furnier.

Aus Platzmangel wird es städtischer

Nach 1907 wurde es enger. Der Platz reichte nicht mehr für kleine Häuser. Deshalb ergänzte Krupp den Alfredshof um großstädtische Wohnanlagen. Es entstanden bis zu dreigeschossige Blocks mit begrünten Innenhöfen. Die Höfe waren Spielplatz und Treffpunkt. Dazu kam eine zentrale Parkanlage. Gebaut wurde bis 1918. Am Ende gab es rund 1.700 Mietwohnungen.

Auch an die Seele wurde gedacht. 1908 schenkte die Familie Krupp der evangelischen Gemeinde ein Grundstück an der Planckstraße. Dort entstand 1910 und 1911 nach Plänen von Carl Nordmann das Wichernhaus. Es war Gottesdienstort und Mehrzweckhaus zugleich. Heute ist es ein Jugendhaus.

Ein Viertel mit Verbindungen

Der Alfredshof war kein isolierter Block. Die Margaretenstraße verband ihn mit der Krupp-Kolonie Kronenberg in Altendorf. Benannt ist sie nach Margarethe Krupp. Zur Siedlung gehörte auch ein Wohnheim an der Hobeisenstraße. Im August 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde es zum Lazarett für verwundete Soldaten. Die Bewohner mussten in die alten Baracken der Kolonie Schederhof umziehen. Der Krieg war also schon damals im Viertel spürbar.

Straßennamen für Krupp-Direktoren

Lange hatten die Häuser im Alfredshof nur eine durchlaufende Nummer. Am 9. Oktober 1914 bekamen die Straßen und Plätze offizielle Namen. Viele erinnern an leitende Männer der Firma Krupp, sogenannte Kruppsche Beamte:

Die bekannten Techniker-Namen wie Borsigstraße oder Grusonstraße sind übrigens älter. Sie wurden schon 1902 vergeben und gehören nicht zum Alfredshof. Mehr dazu im Beitrag über die Straßennamen.

Der Krieg löscht fast alles aus

Im Zweiten Weltkrieg war die Nähe zum Werk fatal. Die Fabrik war ein Hauptziel der Bomber. Das gesamte Gebiet des Alfredshofs wurde schwer zerstört. Der erste Bauabschnitt aus den 1890er-Jahren verschwand vollständig.

Nur ein Teil blieb als geschlossenes Viertel erhalten: der sogenannte Simson-Block an der Keplerstraße, Ecke Simsonstraße. Mehrere Straßen verschwanden dagegen ganz, etwa die Bessemer-, Dünkelberg-, Fitting- und Großstraße sowie der Simsonplatz. Sie wurden beim Wiederaufbau und beim Ausbau der Kruppstraße zur Autobahn überbaut. Die Asthöwerstraße liegt seit 1957 an anderer Stelle.

Ein dunkles Detail gehört auch dazu. In der NS-Zeit hießen die Simsonstraße und der Simsonplatz Gustloffstraße und Gustloffplatz. Eduard von Simson, ihr Namensgeber, war ein jüdischer Jurist. 1945 bekam die Straße ihren Namen zurück. Mehr dazu im Beitrag Holsterhausen im Zweiten Weltkrieg.

Neustart: der Alfredspark

In den späten 1950er-Jahren entstand die Krupp-Siedlung Alfredspark. Sie sieht bewusst anders aus als der alte Alfredshof. Die Häuser sind einheitlicher und schlichter, typisch für die Nachkriegszeit. Ein Foto der Stadtbildstelle zeigt schon im Dezember 1954 Neubauten an der Kruppstraße im Alfredshof.

Den Namen findest du heute an der Straße Am Alfredspark, die seit 1959 so heißt, und am Alfredspark selbst. Die Stadt Essen nennt ihn neben dem Mühlenbachtal als eine der wenigen ausgewiesenen Grünflächen im Stadtteil.

Was du heute noch entdecken kannst

  • Den Simson-Block mit seinem Innenhof – ein echtes Stück Vorkriegsarchitektur.
  • Unterschiedliche Baustile direkt nebeneinander. Vorkriegshäuser und Nachkriegsbauten stehen oft Wand an Wand.
  • Die Straßennamen der Krupp-Direktoren. Sie verraten, wem die Siedlung gehörte.
  • Das Wichernhaus an der Planckstraße.
  • Die Nähe zur A40. Sie ist auch ein Teil der Siedlungsgeschichte.

Starte am besten an der Stadtbahnhaltestelle Hobeisenbrücke oder am Holsterhauser Platz. Auf der Karte findest du die Straßen der Siedlung. Den großen Bogen spannt die Geschichte von Holsterhausen.

Fazit

Der Alfredshof war Krupps Antwort auf die Wohnungsnot der Stahlarbeiter. Ab 1893 entstand eine kleine Gartenstadt, bis 1918 kamen größere Blocks dazu. Der Krieg zerstörte fast alles, nur der Simson-Block blieb. Der Alfredspark ist der Neustart – und beides zusammen ist ein Stück Holsterhausen, das du zu Fuß entdecken kannst.