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Maler, Ärzte, Erfinder: was die Straßennamen in Holsterhausen erzählen

Dürer, Virchow, Bunsen: In Holsterhausen wohnst du zwischen Malern, Medizinern und Erfindern. Ein Spaziergang durch die Straßenschilder.

Du gibst deine Adresse durch: „Rembrandtstraße.“ Am anderen Ende fragt jemand: „Wie der Maler?“ Genau. Dein Nachbar wohnt in der Rubensstraße, deine Ärztin hat ihre Praxis an der Hufelandstraße. In Holsterhausen ist das kein Zufall. Die Straßennamen folgen einem Plan.

Wie der Plan entstand

Vor 1901 gehörte Holsterhausen zur Bürgermeisterei Altendorf. Dort waren die Häuser in acht Sektionen durchnummeriert. Als neue Straßen Namen und Hausnummern bekamen, gab es Chaos mit doppelten Nummern. Deshalb gründete man im Jahr 1900 eine Kommission zur Straßenbenennung.

Nach der Eingemeindung übernahm eine neue Kommission unter Oberbürgermeister Erich Zweigert. Nach ihm ist die Zweigertstraße benannt. Die Kommission empfahl, das neue Stadtgebiet in Namensgruppen einzuteilen. Historische Namen durften bleiben. Viele Straßen bekamen ihren heutigen Namen an einem einzigen Tag: dem 16. Mai 1902.

Die alten Namen klangen oft ganz anders. Die Rembrandtstraße hieß vorher Schulstraße, die Savignystraße Thurmstraße, die Cranachstraße Haardtstraße. Ein Stück der Holsterhauser Straße steht auf einer Karte von 1823 sogar als „Mordgasse“.

Ein paar Straßen an der Grenze zu Rüttenscheid tanzen aus der Reihe. Die Albrechtstraße und die Brunostraße tragen einfach Vornamen. Das geht auf einen Rüttenscheider Beschluss von 1895 zurück.

Das Malerviertel

Der bekannteste Teil ist das Malerviertel im zentralen Holsterhausen. Hier findest du große Namen der Kunstgeschichte:

  • Dürerstraße – nach Albrecht Dürer (1471–1528), dem berühmtesten deutschen Maler der Renaissance.
  • Cranachstraße und Holbeinstraße – zwei weitere Meister derselben Zeit.
  • Rembrandtstraße und Rubensstraße – der Holländer Rembrandt (1606–1669) und der Flame Rubens (1577–1640).
  • Raffaelstraße – der italienische Meister Raffael. Sie hieß früher Chorstraße und wurde 1902 „Rafaelstraße“ geschrieben.
  • Menzelstraße – nach Adolph Menzel (1815–1905), der das Industriezeitalter malte.
  • Lenbachstraße – nach Franz von Lenbach (1836–1904), dem Porträtmaler aus München.
  • Ladenspelderstraße – nach Johann Ladenspelder, einem Maler und Kupferstecher, der um 1512 in Essen geboren wurde.

Dazu kommen viele Maler des 19. Jahrhunderts: Böcklin, Kaulbach, Defregger, Uhde, Overbeck, Schadow, Steinhausen, Bendemann, Gebhardt, Piloty, Camphausen und Achenbach. Auch ältere Künstler wie Schongauer, Aldegrever oder Barthel Bruyn sind dabei. Die Hans-Thoma-Straße ist ein Nachzügler: Sie heißt erst seit 1977 so.

Vorsicht, Falle: Die Feuerbachstraße klingt nach dem Maler Anselm Feuerbach. Benannt ist sie aber nach dem Rechtsgelehrten Paul Johann Anselm von Feuerbach. Sie gehört also eigentlich zu den Juristen.

Das Ärzteviertel rund ums Klinikum

Rund um das Universitätsklinikum wird es medizinisch. Das passt, denn hier eröffneten 1909 die Städtischen Krankenanstalten. Einige Namen wie die Hufelandstraße und die Virchowstraße gab es schon 1902. Weitere kamen 1910 dazu, kurz nach der Eröffnung des Krankenhauses:

Juristen im Zentrum

Etwas weniger bekannt ist die Gruppe der Juristen. Sie liegt zwischen Gemarkenstraße und A40. Die Savignystraße erinnert an Friedrich Carl von Savigny (1779–1861), einen der wichtigsten Rechtsgelehrten Deutschlands. Dazu kommen Windscheid, Jhering, Suarez, Carmer, Planck, Pape, Küntzel und Nieberding. Die Planckstraße ehrt übrigens den Juristen Gottlieb Planck, nicht den Physiker Max Planck.

Unternehmer, Chemiker, Erfinder

Im Norden, Richtung früheres Krupp-Gelände, wird es technisch. Hier liegt die Straßennamengruppe bedeutender Unternehmer und Forscher, ebenfalls meist von 1902:

Eine eigene Gruppe bilden die Krupp-Direktoren in der Siedlung Alfredshof. Ihre Straßen wurden erst am 9. Oktober 1914 benannt. Mehr dazu im Beitrag Krupp baut ein Viertel.

Dichter, Reformatoren und dunkle Jahre

Die Hölderlinstraße und die Mörikestraße bekamen ihre Dichter-Namen erst 1954, beim Wiederaufbau. Die Melanchthonstraße heißt seit 1931 so, benannt nach der Melanchthonkirche. Die Martin-Luther-Straße hieß bis 1933 Hobeisenstraße.

In der NS-Zeit wurden Namen bewusst ausgetauscht. Die Simsonstraße, benannt nach dem jüdischen Juristen Eduard von Simson, hieß von 1938 bis 1945 Gustloffstraße. Die Bendemannstraße wurde zur Hildebrandtstraße, die Corlißstraße zur Erich-Garthe-Straße. 1945 bekamen alle ihre Namen zurück.

Und die Gemarkenstraße?

Die wichtigste Straße im Viertel fällt aus allen Gruppen heraus. Und sie ist viel älter. Die Gemarkenstraße heißt schon seit etwa 1823 so. Der Name kommt von der Frohnhauser Mark, auch Gemark genannt. Das war Land, das früher gemeinsam genutzt wurde. Die Straße verband die beiden Teile dieser Mark. Ihre Geschichte steht in einem eigenen Beitrag.

Namen, die vom Ort erzählen

Am Funkturm meint nicht den heutigen Fernsehturm. Die Straße wurde 1961 nach einem 181 Meter hohen Richtfunkmast der Bundesbahn benannt, der 1971 abgebaut wurde. Am Fernmeldeamt erinnert an das 1970 errichtete Fernmeldeamt der Post. An St. Stephan verweist auf die Kirche St. Stephanus von 1930. Und die Windmühlenstraße erinnert an eine Windmühle, die von 1871 bis 1899 in Betrieb war. Mehr solcher Namen erklärt der Beitrag Alte Höfe und Kotten.

Fazit

Die Straßennamen in Holsterhausen sind kein Durcheinander, sondern ein System aus dem Jahr 1902. Maler, Ärzte, Juristen und Unternehmer haben jeweils ihre Ecke. Wer das weiß, findet sich schneller zurecht – und hat beim nächsten Spaziergang eine kleine Geschichtsstunde direkt vor der Haustür. Alle Straßen findest du im Straßenverzeichnis.

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