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Alte Höfe und Kotten: das bäuerliche Holsterhausen

Hof Ehrenzell, Schederhof, Kotten Bramkamp und Howerde: Wer lebte in Holsterhausen, bevor Krupp kam? Eine Spurensuche auf den Straßenschildern.

Fachwerkhaus aus dem späten 18. Jahrhundert in Essen-Byfang
Foto: Wiki05, CC0, via Wikimedia CommonsCC0Quelle

Stell dir vor, du stehst an der Schederhofstraße. Keine Autos, keine A40, kein Bahnbetriebswerk. Stattdessen Felder, eine Hecke, ein Hof mit Rauch aus dem Schornstein. So sah es hier jahrhundertelang aus. Wer lebte damals in Holsterhausen? Die Antwort steht verblüffend oft auf den Straßenschildern.

Höfe und Kotten: kurz erklärt

Ein Hof war ein größerer Bauernbetrieb mit viel Land. Ein Kotten war kleiner. Die Leute darauf hießen Kötter. Sie hatten oft nur ein paar Morgen Land und verdienten noch etwas nebenbei dazu. Viele Höfe gehörten nicht den Bauern selbst. Sie waren an einen Oberhof gebunden und mussten Abgaben leisten. Wer einen Hof bewirtschaften durfte, wurde damit „behandigt“.

Der Oberhof Ehrenzell

Der wichtigste Hof der Gegend war der Oberhof Ehrenzell. Er wurde um das Jahr 800 am Hellweg gegründet. 966 schenkte Kaiser Otto I. ihn dem Stift Essen. Die Stadt Essen nennt ihn „Ericseli“. Er galt als Kern des Dreibauerschaftsquartiers aus Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen.

Zeitweise waren bis zu 64 Höfe an Ehrenzell abgabepflichtig. Dazu gehörten zum Beispiel der Schederhof, der Wientgenhof, der Hof Lange und der Hof Wickenburg. Rechtlich bestand der Hofverband bis 1803. Ein Hofgebäude gab es aber schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nicht mehr. Auf dem Gelände stand später nur ein Kotten, die „Philipsburg“. 1865 kaufte Krupp das Land. Danach breitete sich dort die Gussstahlfabrik aus.

Der Hof lag übrigens nicht in Holsterhausen selbst, sondern etwa im Süden des heutigen Westviertels. In Altendorf erinnern der Ehrenzeller Platz und die Ehrenzeller Straße an ihn.

Der Schederhof

Der Schederhof ist einer der ältesten belegten Höfe von Holsterhausen. 1437 wurde Johan up dem Berge mit dem Gut „op der Schede“ belehnt. Das Gut gehörte zum Hof Ehrenzell. 1668 war der Hof rund 15 Morgen groß. 1795 wird ein „Halfmann aufm Schede“ genannt.

Dann erbten die Augustiner Chorfrauen den Hof. Die Straßenliste auf Wikipedia nennt dafür das Jahr 1706, der Artikel zur Arbeiterkolonie Schederhof das Jahr 1704. 1841 wurden die alten Lasten abgelöst. Der Hof gehörte jetzt ganz den Schwestern. 1864 verkauften sie ihn an Krupp. Ab 1873 entstand hier die Arbeiterkolonie Schederhof. Heute erinnert die Schederhofstraße an ihn.

Wientgenhof und Kotten Bramkamp

An der Grenze zu Frohnhausen lag der Kotten Bramkamp. Er war ein Teil des Wientgenhofs, der ebenfalls zum Oberhof Ehrenzell gehörte. Der Kotten selbst stand auf Frohnhauser Seite, an der Ecke Adelkampstraße/Bramkampstraße.

1751 verkaufte die Familie Cocy mit Erlaubnis der Fürstäbtissin eine Hälfte des Wientgenhofs. Die andere Hälfte mit den Kotten Bramkamp, Duvenkamp und Schmidt blieb bei ihr. Die Kötter waren Pächter. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie Eigentümer. 1807 wird Heinrich Bramkamp als Besitzer genannt. Sein Kotten war rund sechs Morgen groß. Die Bramkampstraße bildet heute die Grenze zu Frohnhausen. Dazu gibt es die Stichstraße Bramkamphof. Bis 1938 schrieb man beide Namen übrigens „Brahmkamp“.

Howerde: die Hohe Warte

Die Straße Hohe Warte klingt nach Wachturm. Tatsächlich steckt ein Kotten dahinter. 1528 wird das Gut Howerde genannt. 1668 war Johan Howar Aufsitzer des 15 Morgen großen Kottens. Ursprünglich gehörte er der Jesuitenresidenz am Burgplatz, später dem Kanonikerkapitel.

Die Geschichte zeigt schön den Wandel. 1823 war der Kotten nur noch acht Morgen groß und wurde an Hermann Howahr verpachtet. Die übrigen Teile hatten schon vorher die Bergleute und Kötter Barkhoff, Kalthoff und Tapper gekauft. Sie bauten dort ihre Wohnhäuser. Bauernland wurde Bergmannsland.

Kleine Kotten, große Namen

  • Rüscherie: 1795 wird ein Kötter namens Rüscherei erwähnt. Das Land gehörte dem Bauern Steinfurth.
  • Steinforthhof: Eine Straße dieses Namens gab es bis etwa 1945. Sie ist heute überbaut.
  • Demrathkamp: Jakob Demrath war 1662 Kirchenmeister in Essen. 1741 wurde die Familie mit der Fastelabendshove behandigt. 1828 besaß der Ackerwirt Friedrich Plenker den 15 Morgen großen Demrathskamp.
  • Hohlweg: 1668 besaß Johan Hülßmann drei Morgen Feldland „am Hollenweg“.

Vom Acker zum Bauland

Im 19. Jahrhundert ging das bäuerliche Holsterhausen schnell zu Ende. Krupp und der Bergbau brauchten Arbeiter. Die Grundstückspreise stiegen. Immer mehr Landwirte verkauften ihr Land als Bauland. Auf den Feldern entstanden Siedlungen, Schulen und Kirchen. Bergbau gab es in Holsterhausen selbst nur wenig. Im 18. Jahrhundert wurde im Mühlenbachtal Kohle im Stollen abgebaut. Die Zeche Hobeisen musste wegen Wasser bald aufgeben.

Wie schnell das ging, zeigt die Bürgermeisterei Altendorf. Sie wuchs von gut 20.000 Einwohnern 1874 auf rund 66.000 im Jahr 1901.

Spurensuche für dich

Nimm dir einen Nachmittag und lauf die Namen ab. Start an der Schederhofstraße im Norden, dann über die Bramkampstraße an der Grenze zu Frohnhausen bis zur Hohen Warte am Mühlenbachtal. Alle Straßen findest du auf der Karte und im Straßenverzeichnis. Woher der Name Holsterhausen selbst kommt, erklärt der Beitrag Name und Wappen.

Fazit

Bevor Krupp kam, war Holsterhausen ein Land aus Höfen und Kotten. Der Oberhof Ehrenzell, der Schederhof, der Kotten Bramkamp und Howerde sind belegt – teils seit dem 15. Jahrhundert. Die Gebäude sind verschwunden. Ihre Namen stehen aber bis heute auf den Schildern. Den ganzen Zeitstrahl findest du auf der Seite Geschichte von Holsterhausen.

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