Woher kommt der Name Holsterhausen? Wald, Wappen und alte Flurnamen
„Die am Holze hausten“: Was der Name Holsterhausen bedeutet, was das Wappen zeigt und welche alten Flurnamen bis heute auf den Straßenschildern stehen.
Holster-hausen. Sag es mal langsam. Klingt ein bisschen nach Pistolenhalfter, oder? Viele denken das beim ersten Hören. Mit Cowboys hat der Name aber nichts zu tun. Die Wahrheit ist viel älter – und viel grüner.
„Die am Holze hausten“
Die Stadt Essen erklärt den Namen so: Holsterhausen kommt von „die am Holze hausten“. Gemeint sind Menschen, die am Wald wohnten. Wikipedia sagt es genauso: Der Name geht auf die frühere Lage direkt am Wald zurück.
Das Wort „Holz“ stand früher oft für Wald. Die Gegend war dicht bewaldet. Die ersten Menschen hier lebten von Feldern, Vieh und dem Holz aus dem Wald. Wikipedia spricht in Zusammenhang mit dem Wappen auch von den „Holzseter“ – also Leuten, die am oder im Holz sitzen, und von Waldarbeitern.
Die Endung „-hausen“ ist in Deutschland sehr häufig. Sie bedeutet einfach: bei den Häusern. Zusammen ergibt das ein Bild: Häuser am Wald. Mehr war Holsterhausen lange nicht. Kein Marktplatz, keine Kirche, kein Rathaus – nur Höfe, Kotten und Wege dazwischen.
Das Wappen: ein Haus und zwei Stämme
Das Stadtteilwappen erzählt den Namen als Bild. Man nennt so etwas ein „redendes Wappen“. Es spricht sozusagen seinen Namen aus.
- Der Hintergrund ist rot.
- In der Mitte steht ein weißes Haus mit schwarzem Fachwerk und einem Tor. Es steht für die Endung „-hausen“.
- Über dem Giebel siehst du vorne und hinten je einen goldenen Stamm mit kurzen Ästen. Sie stehen für das Holz und die Waldarbeiter.
Entworfen hat das Wappen der Heraldiker Kurt Schweder. Ende der 1980er-Jahre schuf er Wappen für alle Essener Stadtteile. Offiziell sind sie nicht. Laut Wikipedia hatten sie nie amtlichen Charakter. Trotzdem sind sie bei den Menschen gut angekommen. Du findest sie auf Festen, Vereinsseiten und Aufklebern.
Wann wurde Holsterhausen zuerst erwähnt?
Hier wird es knifflig. Wikipedia nennt das Jahr 966. Damals schenkte Kaiser Otto I. den Hof Ehrenzell an das Stift Essen. Der Hof galt als Kern der drei Bauerschaften Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen.
Die Stadt Essen formuliert es anders. Sie schreibt, Holsterhausen sei erst erwähnt worden, nachdem die Siedlung Altendorf angelegt war. Ein Jahr nennt sie dafür nicht. Ehrlich gesagt: Das genaue Datum der ersten Erwähnung des Namens Holsterhausen ist in diesen Quellen nicht eindeutig. Sicher belegt ist die Schenkung von 966.
Auch der Hofname hat viele Schreibweisen. Die Stadt Essen schreibt „Ericseli“. In alten Urkunden stehen „Erincsele“, „Brintsel“ oder „Erensele“. Daraus wurde Ehrenzell. Mehr dazu im Beitrag Alte Höfe und Kotten.
Flurnamen: alte Namen auf neuen Schildern
Wenn du Holsterhausen genau liest, entdeckst du noch mehr alte Landschaft. Viele Straßen tragen Flurnamen. So nannten die Bauern früher Felder, Wege und Waldstücke.
- Gemarkenstraße: Sie verband die beiden Teile der Frohnhauser Mark, auch Gemark genannt. Eine Mark war gemeinsam genutztes Land. Der Name ist schon um 1823 belegt.
- Frettholz: ein Flurname aus dem Hauptwaldgebiet der Frohnhauser Mark. Schon wieder Holz!
- Kahrstraße: 1827 heißt der Weg „Kahrgate“, auch Kahrgatt oder Kahrweg.
- Kämpenstraße an der Grenze zu Frohnhausen: „Kämpen“ war ein Stück Land. 1867 besaß es Heinrich Lange zu Holsterhausen.
- Hausackerstraße: Hausacker hießen Grundstücke, die 1867 Heinrich Dracke aus Frohnhausen gehörten.
- Hohlweg: Schon 1668 wird ein „Hollenweg“ genannt.
- Kaupenstraße: Die Kaupe war ein Sammelbecken für Quellwasser. Von hier floss Wasser in hölzernen Röhren in die Stadt Essen. 1880 wurde sie wegen Bergschäden geschlossen.
Namen von Höfen, Mühlen und Zechen
Andere Namen erinnern an Gebäude, die es längst nicht mehr gibt:
- Schederhofstraße – nach dem Schederhof, der schon 1437 erwähnt wird.
- Hohe Warte – klingt nach Aussichtsturm, kommt aber von „Howerde“, einem Gut, das 1528 genannt wird.
- Rüscherie – nach einem Kötter namens Rüscherei, erwähnt 1795.
- Windmühlenstraße – hier drehte sich von 1871 bis 1899 eine Windmühle.
- Hobeisenstraße – nach der Zeche Hobeisen. Deren Name geht auf eine alte Flurbezeichnung zurück.
- In der Täpperie – so nannte der Volksmund das kleine Haus der Familie Täpper. Aus ihr stammte der Heimatdichter Wilhelm Täpper (1845–1905).
Ein Name, der um die Welt ging
Ein Holsterhauser hat den Namen seiner Familie sogar bis nach Amerika getragen. Henry Wickenburg wurde 1819 in Holsterhausen geboren. 1847 wanderte er in die USA aus. Nach ihm ist die Stadt Wickenburg in Arizona benannt. Die ganze Geschichte steht im Beitrag über Henry Wickenburg.
Warum dich das heute betrifft
Namen sind wie Fossilien. Sie überleben, auch wenn alles drumherum verschwindet. Der Wald ist weg, die Höfe auch. Aber jedes Mal, wenn du „Frettholz“ oder „Gemarken“ sagst, sprichst du ein Stück Bauerngeschichte aus. Und wenn du jemandem erklärst, wo du wohnst, erzählst du nebenbei, wie es hier vor 200 Jahren aussah. Alle Straßen mit ihrer Herkunft findest du im Straßenverzeichnis. Die große Übersicht bietet die Geschichte von Holsterhausen.
Fazit
Holsterhausen heißt „die am Holze hausten“: Häuser am Wald. Das Wappen zeigt genau das mit einem Fachwerkhaus und zwei goldenen Stämmen. Viele Straßennamen bewahren bis heute alte Flurnamen. Wer sie kennt, sieht unter dem Asphalt noch die Felder und Wälder von früher.