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1. August 1901: Wie Holsterhausen zu Essen kam

Holsterhausen war nicht immer Essen. Bis 1901 gehörte es zur Bürgermeisterei Altendorf – der größten Landgemeinde Preußens. So lief die Eingemeindung ab.

Du wohnst in Essen. Klar. Aber deine Ur-Ur-Großeltern hätten auf die Frage „Wohnt ihr in Essen?“ vielleicht den Kopf geschüttelt. „Nein, in Holsterhausen. Bürgermeisterei Altendorf.“ Bis zum Sommer 1901 war Holsterhausen nämlich nicht Teil der Stadt Essen.

Drei Bauerschaften, eine Gemeinde

Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen gehörten schon lange zusammen. Sie bildeten das sogenannte Dreibauerschaftsquartier. Nach dem Ende des Stifts Essen kamen sie 1808 zur Munizipalität Borbeck. Ab 1816 gehörte die Landgemeinde Altendorf zur Bürgermeisterei Borbeck.

Am 1. Januar 1874 wurde die Landgemeinde Altendorf aus Borbeck herausgelöst. Sie bildete jetzt eine eigene Bürgermeisterei im Landkreis Essen. Die Stadt Essen war ein Jahr vorher aus dem Landkreis ausgeschieden.

Ein einziger Bürgermeister

Die Bürgermeisterei Altendorf hatte in ihrer ganzen Geschichte nur einen Bürgermeister: Wilhelm Kerckhoff. Er begann am 1. Januar 1874. 1886 und 1898 wurde er jeweils für weitere zwölf Jahre bestätigt. Am 17. Juni 1900 starb er. Bis zur Eingemeindung führte Johannes Goerres die Geschäfte kommissarisch. Nach Kerckhoff ist die Kerckhoffstraße benannt.

Die Verwaltung saß zuerst in einem gemieteten Haus an der Margarethenstraße in Frohnhausen. Am 1. Juli 1876 zog sie in ein neues Rathaus in Altendorf. Es hatte samt Grundstück 120.000 Mark gekostet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört. Seit 1952 steht an seiner Stelle die Kirche St. Mariae Geburt.

Die größte Landgemeinde Preußens

Bei der Gründung 1874 war die Bürgermeisterei noch ländlich. Sie hatte 20.468 Einwohner. Dann ging es rasant. Bergleute kamen für die Zechen, etwa Vereinigte Hagenbeck und Amalie. Vor allem aber kamen Arbeiter für die Gussstahlfabrik von Krupp. 1887 arbeiteten dort rund 20.000 Menschen.

Bis 1901 wuchs die Bürgermeisterei auf rund 66.000 Einwohner. Damit war Altendorf die größte Landgemeinde in Preußen. Landwirte verkauften ihre Felder als Bauland. Arbeitersiedlungen, Schulen und Kirchen entstanden. In Holsterhausen waren das zum Beispiel die Krupp-Kolonie Schederhof, die Siedlung Alfredshof und die Kirche St. Mariä Empfängnis.

Bahnhöfe, Bahnen, Kirchen

Mit den Menschen kam die Infrastruktur. 1874 entstand der Bahnhof Altendorf an der Rheinischen Strecke. Nach 1880 folgte Altendorf-Cronenberg an der Bergisch-Märkischen Strecke. Ab 1893 fuhr die erste Straßenbahn von Essen durch Altendorf nach Borbeck. Auch neue Kirchen wurden gebaut: St. Mariä Himmelfahrt in Altendorf, St. Antonius in Frohnhausen, St. Mariä Empfängnis in Holsterhausen und die evangelische Lutherkirche. Eine Gemeinde auf dem Land sah plötzlich aus wie eine Stadt. Wer damals von Holsterhausen in die Essener Innenstadt wollte, fuhr also schon mit der Bahn in eine andere Gemeinde. Das kannst du dir heute kaum noch vorstellen.

Holsterhausen in drei Sektionen

Die Bürgermeisterei war 957,36 Hektar groß. Auf Holsterhausen entfielen 300,82 Hektar. Die Gemeinde war in Sektionen aufgeteilt. Die größte, Sektion 1, umfasste im Süden den Alfredshof und im äußersten Norden die Bahnanlagen zur Krupp-Fabrik. Die Sektionen 2 und 3 dazwischen teilte sich die Kolonie Schederhof.

Das sorgte für Durcheinander. Die Häuser waren in den Sektionen durchnummeriert. Als neue Straßen Namen bekamen, gab es gleiche Hausnummern mehrfach. Im Jahr 1900 wurde deshalb eine Kommission zur Straßenbenennung gegründet. Ihr Plan war am 15. Mai 1901 fertig. Auf Wunsch der Stadt Essen wurde er aber nicht umgesetzt.

Der Weg zur Eingemeindung

Die Gemeinde war zu schnell gewachsen, um allein alle Aufgaben zu stemmen. Die Eingemeindung nach Essen wurde vorbereitet:

  1. 15. Februar 1901: Der Kreistag ist einverstanden.
  2. 1. März 1901: Die Essener Stadtverordneten genehmigen die Eingemeindung.
  3. 23. Juli 1901: Der Altendorfer Gemeinderat tagt zum letzten Mal.
  4. 1. August 1901: Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen werden als einzelne Stadtteile in Essen eingemeindet.
  5. 8. Oktober 1901: Altendorfer und Essener tagen zum ersten Mal gemeinsam im Essener Rathaus.

Was der Vertrag versprach

Im Eingemeindungsvertrag machte die Stadt Essen Zusagen. Zwei davon kannst du heute noch sehen:

  • Eine höhere Schule. Am 23. April 1908 begann an der Margaretenstraße der Unterricht in einer Realschule. Daraus wurde die Krupp-Oberrealschule und später die Alfred-Krupp-Schule.
  • Ein Marktplatz. In Paragraf 13 versprach die Stadt einen Platz für den Wochenmarkt in Holsterhausen. So entstand der Holsterhauser Platz, benannt 1909. Später wurde er zum großen Teil bebaut, unter anderem mit der Melanchthonkirche.

Neue Namen nach 1901

Nach der Eingemeindung bildete Oberbürgermeister Erich Zweigert eine neue Kommission. Sie empfahl Straßennamen in Themengruppen. Schon am 13. Dezember 1901 wurden Teilstücke zur einheitlichen Holsterhauser Straße und Frohnhauser Straße zusammengefasst. Am 16. Mai 1902 folgte die große Umbenennung. So entstanden Malerviertel und Techniker-Ecke. Alles dazu im Beitrag über die Straßennamen.

Warum das heute noch zählt

Die alte Bürgermeisterei wirkt nach. Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen liegen bis heute eng beieinander. Die Straßenbahn fuhr schon 1893 durch Altendorf und 1898 nach Frohnhausen. Und wer an der Kerckhoffstraße oder am Holsterhauser Platz steht, steht mitten in dieser Geschichte. Die ganze Zeitleiste findest du auf der Seite Geschichte von Holsterhausen.

Fazit

Von 1874 bis 1901 war Holsterhausen Teil der Bürgermeisterei Altendorf. Sie wuchs auf rund 66.000 Einwohner und wurde die größte Landgemeinde Preußens. Am 1. August 1901 kam sie zu Essen. Der Vertrag brachte Holsterhausen eine höhere Schule und einen Marktplatz – und den Stadtplan mit seinen Themenvierteln.