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Die Gemarkenstraße: Herz, Marktplatz und Laufsteg von Holsterhausen

Seit rund 200 Jahren trägt sie ihren Namen: Die Gemarkenstraße ist Einkaufsstraße, Marktmeile und Fahrradstraße. Die Geschichte der Holsterhauser Hauptader.

Der Gemarkenplatz in Essen-Holsterhausen
Foto: Friedemann Schütz, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia CommonsCC BY-SA 2.5Quelle

Wenn du in Holsterhausen jemanden treffen willst, sagst du selten eine Hausnummer. Du sagst: „Auf der Gemarken.“ Und jeder weiß Bescheid. Die Gemarkenstraße ist mehr als eine Einkaufsstraße. Sie ist das Wohnzimmer des Viertels. Und sie ist älter als fast alles, was an ihr steht.

Ein Name aus der Zeit der Bauern

Die Gemarkenstraße heißt schon seit etwa 1823 so. Der Name kommt von der Frohnhauser Mark, auch Gemark genannt. Eine Mark war Land, das die Bauern gemeinsam nutzten, vor allem Wald. 1794 wurde sie vermessen: rund 886 preußische Morgen. 1817 wurde die Teilung angeordnet.

Die Straße verband die beiden Teile dieser Mark. Der kleinere Teil lag mitten in Holsterhausen, an der heutigen Savignystraße. Der größere war das Waldgebiet mit dem Ortsteil Frettholz. Am 30. März 1835 wurde die Teilung per Vertrag wieder aufgehoben. Der Straßenname blieb. Heute ist die Gemarkenstraße etwa 1.100 Meter lang. Sie führt von der Rembrandtstraße über den Gemarkenplatz bis zur Mörikestraße.

Die Hauptschlagader des Stadtteils

Die Stadt Essen nennt sie „die Einkaufsstraße in Holsterhausen“. Sie lobt die Mischung aus Gastronomie und Einzelhandel, von Dingen für den Alltag bis zu Spezialgeschäften. Regelmäßige Feste machen die Straße zum Mittelpunkt des Stadtteils.

In der Mitte steht die Kirche St. Mariä Empfängnis. Viele nennen sie den „Holsterhauser Dom“. Josef Seché entwarf sie im neugotischen Stil. Gebaut wurde sie von 1895 bis 1897. Nach schweren Kriegsschäden wurde sie von 1950 bis 1952 wieder aufgebaut. Der Kirchplatz ist ein beliebter Treffpunkt.

Der Gemarkenplatz

Wo die Gemarkenstraße die Holsterhauser Straße kreuzt, liegt der Gemarkenplatz. Er bekam seinen Namen am 8. März 1922. Hier mündet auch die Kahrstraße ein. Auf historischen Fotos der Stadt Essen siehst du den Platz im September 1967 und im April 1968. Seit dem 27. November 1981 hält hier die Stadtbahn U17 an der Haltestelle Gemarkenplatz.

Rund um die Kirche ist immer etwas los. Laut Stadt Essen gibt es im „Holsterhauser Dom“ nicht nur Gottesdienste, sondern auch Autorenlesungen und Bücherflohmärkte. Für Kinder gibt es eine eigene Kinderkirche. Kein Wunder, dass der Kirchplatz seit Generationen ein Treffpunkt ist.

Donnerstag ist Markttag

Einmal pro Woche verwandelt sich die Straße. Donnerstags findet hier ein Nachmittagsmarkt statt. Die Stände reihen sich entlang der Gemarkenstraße auf, grob zwischen Papestraße und Suarezstraße. Laut Stadt Essen kommt auch das Bürgermobil zum Markt. Dort kannst du manche Behördensachen direkt erledigen.

Ein Markt hat hier Tradition. Schon im Eingemeindungsvertrag von 1901 versprach die Stadt Essen einen Platz für den Wochenmarkt. Daraus wurde der Holsterhauser Platz. Er ist aber heute größtenteils bebaut. Alles zum Markt liest du im Beitrag Wochenmarkt auf der Gemarkenstraße.

Ein Stück Autogeschichte im Hinterhof

Im Hinterhof an der Gemarkenstraße 18 liegt die älteste Tankstelle Deutschlands. Sie wurde 1924 eröffnet. Früher bedienten Tankwarte die Kunden, putzten Scheiben und prüften den Reifendruck. Am 31. Mai 2019 endete nach 95 Jahren der Tankbetrieb. Seitdem wird hier kein Benzin mehr gezapft. Das Gelände hat eine neue Nutzung bekommen.

Einkaufen in den 1950ern

Wie sah die Straße nach dem Krieg aus? Ein US-Lehrfilm von 1958 gibt eine Antwort. Er begleitet eine Essener Familie aus Holsterhausen. Man sieht sie beim Einkaufen in einem Lebensmittelgeschäft von Albrecht auf der Gemarkenstraße. Gedreht wurde im November 1957. Wie ganz Holsterhausen war auch die Gemarkenstraße im Krieg schwer getroffen worden. Danach kehrten die Läden zurück. Eine Bronzefigur an der Ecke zur Menzelstraße erinnert seit 2007 an diese Zeit: „Mann aus der Enge hervortretend“ von Waldemar Otto.

An der Gemarkenstraße 41 liegen Stolpersteine für die Familie Kadden. Sie erinnern an jüdische Nachbarn, die in der NS-Zeit verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Mehr dazu im Beitrag über die Stolpersteine in Holsterhausen.

Die Geschäftsleute und ihre Gemeinschaft

Die Gemarkenstraße lebt von ihren Läden. Lange gab es dafür eine eigene Werbegemeinschaft: die Interessengemeinschaft Holsterhausen, kurz IGH. Darin taten sich Selbstständige und Geschäftsleute aus dem Viertel zusammen. 2013 organisierte sie das Stadtteilfest „Holsterhausen erleben“ und am 1. Advent einen verkaufsoffenen Sonntag mit Mittelaltermarkt. Man traf sich regelmäßig in Cafés und Lokalen an der Straße.

Am 8. Mai 2025 wurde daraus die IG Holsterhausen e. V. neu gegründet. Der Verein verfolgt laut Satzung gemeinnützige Zwecke, darunter Heimatpflege, Kultur, Bildung sowie Jugend- und Altenhilfe. Er ist offen für alle im Stadtteil. Wie du dabei sein kannst, steht unter Mitmachen.

Die Gemarken heute

Seit dem 12. August 2020 ist die Gemarkenstraße eine Fahrradstraße. Sie gehört zu einer Achse, die Südviertel und Rüttenscheid mit Holsterhausen und Frohnhausen verbindet. Die Stadt Essen nennt die hohe Friseurdichte ausdrücklich als Besonderheit des Stadtteils. Ein kurzer Streifzug durch die Läden:

Tipps für deinen Bummel

  • Komm donnerstags am Nachmittag, wenn der Markt da ist. Dann ist am meisten los.
  • Lass das Auto stehen. Die U17 hält direkt am Gemarkenplatz, und mit dem Rad bist du auf der Fahrradstraße schnell da.
  • Achte auf die kleinen Läden in den Nebenstraßen, etwa rund um die Rubensstraße.
  • Schau an der Ecke Menzelstraße bei der Skulptur vorbei. Sie ist ein guter Treffpunkt.

Alle Läden findest du im Verzeichnis oder auf der Karte.

Fazit

Die Gemarkenstraße trägt ihren Namen seit rund 200 Jahren. Sie war Weg durch gemeinsames Bauernland, dann Einkaufsstraße, Marktmeile und heute Fahrradstraße. Mit Holsterhauser Dom, alter Tankstelle und vielen kleinen Läden ist sie gelebte Stadtteilgeschichte. Den großen Bogen spannt die Geschichte von Holsterhausen.

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