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Stolpersteine in Holsterhausen: Namen, die bleiben

Kleine Messingplatten im Gehweg erinnern an Menschen aus Holsterhausen, die in der NS-Zeit verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.

Stolpersteine vor dem Haus Münchener Straße 150 in Essen-Holsterhausen
Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0Quelle

Du gehst die Straße entlang, schaust aufs Handy – und dann blitzt etwas im Gehweg. Eine kleine Messingplatte, kaum größer als ein Pflasterstein. Du bleibst stehen, beugst dich runter und liest: „Hier wohnte …“. So funktionieren Stolpersteine. Sie bringen dich kurz aus dem Tritt. Und genau das sollen sie.

Was Stolpersteine sind

Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Jeder Stein erinnert an einen Menschen, der in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurde. Der Stein liegt vor dem letzten frei gewählten Wohnort dieser Person. Auf der Platte stehen der Name, das Geburtsjahr und das Schicksal. Kurze Worte, große Wirkung.

In Essen gibt es viele Stolpersteine. Das Historische Portal der Stadt Essen dokumentiert sie. Auch in Holsterhausen liegen mehrere. Sie erinnern an Nachbarn, die hier gelebt haben. Menschen, die einkaufen gingen, Kinder großzogen, zur Schule gingen. Bis man ihnen alles nahm.

Holsterhausen in der NS-Zeit

Die Verfolgung begann nicht erst mit Deportationen. Sie zeigte sich auch im Alltag des Viertels. Straßenschilder wurden ausgetauscht. Die Simsonstraße war nach Eduard von Simson benannt, einem jüdischen Richter und Parlamentarier. Ab dem 26. September 1938 hieß sie Gustloffstraße, nach einem NS-Funktionär. Der kleine Simsonplatz wurde zum Gustloffplatz. Erst im Juni 1945 kam der alte Name zurück.

Auch in den Kirchen und Schulen machte sich die Ideologie breit. In der evangelischen Melanchthonkirche am Holsterhauser Platz gewann die regimetreue Gruppe der „Deutschen Christen“ die Oberhand. Am 17. Dezember 1935 wurde der expressionistische Christus-Körper vom Altarkreuz entfernt. An der Krupp-Oberrealschule, der heutigen Alfred-Krupp-Schule, waren laut einem Zeitungsbericht von 1935 fast alle Schüler in der Hitlerjugend. Der katholischen B.M.V.-Schule der Augustiner Chorfrauen verbot das Regime 1940 den Unterricht. Mehr dazu im Beitrag Holsterhausen im Zweiten Weltkrieg.

Ladenspelderstraße: eine Familie, ein Haus

Vor dem Haus Ladenspelderstraße 47 liegen mehrere Steine. Sie erinnern an Mitglieder der Familie Strauss und ihre Angehörigen. Siegfried und Regina Strauss, Alfred und Lore Strauss, Richard Strauss, Anna Rosenberg und Else Dahl wurden 1943 nach Theresienstadt deportiert. Die meisten von ihnen wurden später in Auschwitz-Birkenau ermordet. Richard Strauss war erst 1926 geboren. Er wurde nur 17 Jahre alt.

Ein Stein an derselben Stelle erzählt eine andere Geschichte. Marianne Ellenbogen, geborene Strauss, Jahrgang 1923, tauchte unter. Sie wurde versteckt und hat überlebt.

Nur wenige Häuser weiter, an der Ladenspelderstraße 39, erinnert ein Stein an Manfred Frank. Er wurde am 21. Juli 1942 deportiert und starb in Theresienstadt.

Gemarkenstraße: mitten im Leben

An der Gemarkenstraße 41, mitten auf der Einkaufsstraße, liegen Steine für die Familie Kadden. Moritz Kadden kam 1938 in sogenannte „Schutzhaft“. 1941 wurden er und Meta Kadden nach Minsk deportiert und ermordet. Gerd und Rainer Kadden, beide Jahrgang 1921, wurden 1938 in Dachau inhaftiert. 1939 kamen sie mit einem Kindertransport nach England. Kurt Kadden floh 1937 nach Palästina.

Viele Menschen laufen hier täglich vorbei. Vielleicht bist du einer davon. Nimm dir beim nächsten Einkauf einen Moment.

Cranachstraße: Flucht und Mord

Vor der Cranachstraße 69 liegen Steine für die Familie Ladwig und Sophie Ruhr. Betty Ladwig wurde 1943 deportiert und in Auschwitz ermordet. Sophie Ruhr, Jahrgang 1863, wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort im August 1942. Anneliese, Margot, Heinz Karl und Ursel Ladwig konnten fliehen – nach England, Kanada und in die USA. Ursel kam 1939 mit einem Kindertransport nach England.

Hufelandstraße und Steinhausenstraße

An der Hufelandstraße 25 erinnern zwei Steine an Meier und Anna Andorn. Sie wurden am 21. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und kamen dort ums Leben.

An der Steinhausenstraße 47 liegen Steine für Fritz, Hanna und Renate Grünwald. Die Familie floh 1938 nach Argentinien. Renate war damals ein kleines Kind.

Holsterhauser Straße: ein Opfer der „Euthanasie“

Nicht alle Opfer waren jüdisch. An der Holsterhauser Straße 176 erinnert ein Stein an Ernst Udewald, Jahrgang 1919. Er wurde 1935 in das Franz-Sales-Haus eingewiesen. Am 15. Februar 1941 wurde er in die Tötungsanstalt Hadamar „verlegt“ und am selben Tag ermordet. Er war eines der Opfer der sogenannten „Aktion T4“, dem Mord an Menschen mit Behinderungen.

Das Franz-Sales-Haus, in das Ernst Udewald eingewiesen wurde, ist eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Essen. Sein Schicksal zeigt: Die Verfolgung traf auch Menschen, die das NS-Regime als „lebensunwert“ abstempelte. Auch sie waren Nachbarn.

Wie du dich erinnern kannst

Erinnern ist nichts Kompliziertes. Ein paar Ideen:

  • Bleib stehen und lies die Namen laut oder leise.
  • Viele Menschen putzen die Steine, etwa rund um den 9. November. Ein weiches Tuch und etwas Metallpolitur reichen.
  • Erzähl deinen Kindern von den Steinen. Kinder fragen oft von selbst, was da glänzt.
  • Informiere dich im Historischen Portal der Stadt Essen oder in der Alten Synagoge Essen über die Biografien.
  • Verbinde einen Stein mit einem Spaziergang durch die Geschichte von Holsterhausen. So siehst du, in welche Zeit die Namen gehören.

Eine Übersicht findest du auch auf der Seite Stolpersteine in Holsterhausen, im Bereich Gedenkorte und auf der Karte.

Warum das Erinnern vor Ort wichtig ist

Geschichte fühlt sich oft weit weg an. Stolpersteine holen sie in deine Straße. Sie zeigen: Die Verfolgten waren keine abstrakten Zahlen. Sie waren Nachbarn. Sie wohnten in Häusern, an denen du heute vorbeigehst. Sie kauften auf derselben Gemarkenstraße ein.

Das ist unbequem. Und es ist wichtig. Denn wer weiß, was damals in der eigenen Straße passiert ist, erkennt Ausgrenzung heute schneller.

Fazit

In Holsterhausen erinnern Stolpersteine an Nachbarn, die in der NS-Zeit verfolgt, vertrieben und ermordet wurden – an der Ladenspelderstraße, Gemarkenstraße, Cranachstraße, Hufelandstraße, Steinhausenstraße und Holsterhauser Straße. Bleib stehen, lies ihre Namen und gib die Erinnerung weiter.

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