Schulgeschichte in Holsterhausen: von der Dorfschule zum Gymnasium
Eine Dorfschule, eine Oberrealschule als Versprechen der Stadt und ein Kloster mit eigener Schule: Bildung hat in Holsterhausen eine lange Geschichte.
Deine Oma erzählt, dass sie „auf die KO“ gegangen ist? Oder deine Nachbarin schwärmt von ihrer Zeit bei den Schwestern? Dann hast du schon zwei Kapitel der Holsterhauser Schulgeschichte gehört. Sie reicht weiter zurück, als du vielleicht denkst.
Eine Schule zwischen drei Dörfern
Lange vor Stadtbahn und Einkaufsstraße gab es hier eine kleine katholische Bekenntnisschule. Sie wird schon 1685 urkundlich erwähnt. Sie lag genau dort, wo die Bauerschaften Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen aufeinandertrafen. Heute steht dort die Bertha-Krupp-Realschule. Aus dieser alten Schule ging die heutige Cosmas-und-Damian-Schule hervor.
1813 bekam die Schule ein neues Gebäude. Das alte war zu klein und baufällig geworden. Das neue stand an der Stelle der heutigen Turnhalle der Alfred-Krupp-Schule. Weil immer mehr Kinder kamen, wurde 1838 und 1847 angebaut.
Krupp baut Schulen
Im 19. Jahrhundert explodierte die Bevölkerung. Grund waren der Bergbau und die benachbarte Gussstahlfabrik von Krupp. Mit den Arbeitern kamen ihre Familien. Im Umkreis entstanden deshalb mehrere neue Schulen.
Ein Beispiel ist die Kolonie Schederhof, die Krupp ab 1873 im Norden baute. Dort gab es eine evangelische Schule, die katholische Volksschule Holsterhausen III und sogar eine Haushaltsschule. Bildung gehörte zum Paket der Werkssiedlung dazu.
Ein Versprechen bei der Eingemeindung
1901 wurde die Bürgermeisterei Altendorf nach Essen eingemeindet. Die Stadt machte dabei ein Zugeständnis: eine höhere Schule. Dieses Versprechen wurde eingelöst.
Am 23. April 1908 begann an der Margaretenstraße der Unterricht in einer neuen Realschule mit Vorschule. Das Gebäude von damals steht noch heute. Im Mai 1910 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Namen Krupp-Oberrealschule. Es war die zweite Oberrealschule der Stadt, nach der späteren Humboldtschule. Ein großer Teil der Schüler waren Söhne von Krupp-Angestellten und -Arbeitern. Im Volksmund hieß sie einfach „KO“. Sie war damals eine reine Jungenschule.
Dunkle Jahre
Auch die Schulgeschichte hat ihre dunklen Seiten. 1935 berichtete eine Zeitung, dass fast alle Schüler der Oberrealschule in der Hitlerjugend waren. Die HJ-Fahne wurde an der Schule gehisst. 1937 wurde die Schule zum 125. Geburtstag von Alfred Krupp in Alfred-Krupp-Schule umbenannt.
Im Krieg wurde das Gebäude 1942 durch Luftangriffe beschädigt. Viele Kinder kamen in die Kinderlandverschickung, also aufs Land. Der Unterricht fand teilweise im Wechsel im damaligen Humboldt-Gymnasium statt, der heutigen Frida-Levy-Gesamtschule.
Mädchen, Koedukation und Courage
Nach dem Krieg öffnete sich die Schule. Ab 1960 durften auch Mädchen die Alfred-Krupp-Schule besuchen. 1976 kam der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen. 2001 gab es Pläne, die Schule zu schließen. Sie wurden nicht umgesetzt. Heute ist sie ein städtisches Gymnasium. Seit 2006 trägt sie das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Zu den bekannten Ehemaligen zählen der Schauspieler Heinz Drache und der spätere Präses Heinrich Reiß. Als Lehrer arbeitete hier Dietrich Garstka, Autor von „Das schweigende Klassenzimmer“.
Die Schwestern und ihre Schule
Das zweite große Kapitel spielt hinter Klostermauern. 1652 kamen drei Augustiner Chorfrauen nach Essen. Die Fürstäbtissin hatte sie gerufen, um Mädchen eine höhere Bildung zu ermöglichen. In der Innenstadt gründeten sie Kloster und Schule B.M.V. Bis 1830 war sie die einzige höhere Mädchenschule in Essen. Im Kulturkampf musste sie 1876 schließen. Die Schwestern gingen ins Exil in die Niederlande und kamen 1889 zurück.
1929 legten die ersten Schülerinnen das Abitur ab. Weil es in der Innenstadt zu eng wurde, zogen Kloster und Schule nach Holsterhausen. Der Grundstein wurde am 22. Juni 1930 gelegt. Am Entwurf war der Essener Architekt Emil Jung beteiligt. 1931 war der Umzug geschafft. Ein Foto der Stadtbildstelle zeigt das „Lyzeum BMV“ an der Bardelebenstraße im August 1932.
1940 verbot das NS-Regime den Unterricht. Im Krieg wurden Kloster und Schule zerstört. Am 19. Oktober 1945 begannen die Schwestern wieder – im Schichtbetrieb, weil nur zwei Klassenräume nutzbar waren. Seit dem Schuljahr 2013/2014 lernen an der B.M.V.-Schule an der Bardelebenstraße auch Jungen. Zu den Ehemaligen gehören die Sängerin Juliane Werding und die Politikerin Sylvia Löhrmann. Das Kloster liegt direkt nebenan.
Neue Schulen, neue Ideen
1997 wurde die Städtische Gesamtschule Holsterhausen gegründet. Sie richtete sich von Anfang an an den Grundsätzen der Agenda 21 aus, also an Nachhaltigkeit. Sie arbeitet mit Teams von Lehrkräften und hat für Projekte wie „Zwangsarbeit in Essen“ Preise bekommen. Ihre Standorte liegen an der Böcklinstraße und an der Keplerstraße.
Dazu kommen Grundschulen wie die Bardelebenschule und die Cranachschule, die Ruhrlandschule und die Schulen für Gesundheitsberufe am Universitätsklinikum. Einen praktischen Überblick für Eltern gibt der Ratgeber Schulen in Holsterhausen.
Schulweg damals und heute
Stell dir den Schulweg um 1910 vor. Viele Straßen waren gerade erst angelegt oder hatten neue Namen bekommen. Überall wurde gebaut. Kinder liefen zu Fuß, oft in Gruppen, vorbei an Baustellen und Feldern. Ein US-Lehrfilm von 1958 zeigt übrigens noch den Schulbesuch eines Kindes in der Keplerschule. Heute ist der Schulweg kurz, aber voller Verkehr. Die U17 und die Straßenbahnen bringen Jugendliche aus anderen Stadtteilen zu den Gymnasien. Die Haltestelle vor der Alfred-Krupp-Schule trägt sogar ihren Namen.
Was Schulen über ein Viertel verraten
Schulen sind wie Jahresringe eines Baumes. Sie zeigen, wann ein Viertel gewachsen ist und wer hier gelebt hat. Die alte Bekenntnisschule steht für die Bauerschaft. Die Oberrealschule steht für die Industriestadt. Die Gesundheitsschulen am Klinikum stehen für das Holsterhausen von heute. Wenn du durch die Margaretenstraße gehst, schau dir das alte Schulgebäude an. Es ist über hundert Jahre alt und hat Kriege, Umbenennungen und Schließungspläne überstanden.
Fazit
Die Schulgeschichte von Holsterhausen beginnt mit einer kleinen Bekenntnisschule, die 1685 erwähnt wird. Mit der Industrie kamen Werksschulen und 1908 die spätere Alfred-Krupp-Schule. 1931 zogen die Augustiner Chorfrauen mit der B.M.V.-Schule her, 1997 kam die Gesamtschule. Bildung war hier immer ein Zeichen von Wachstum. Mehr Zusammenhänge zeigt die Geschichte von Holsterhausen.