Straßen nach Ärzten und Forschern in Essen-Holsterhausen

Hufeland, Virchow, Robert Koch: Rund ums Uniklinikum in Essen-Holsterhausen tragen viele Straßen Ärzte-Namen. Im Norden warten Chemiker und Kepler.

Du sitzt im Wartezimmer einer Praxis an der Hufelandstraße und schaust aus dem Fenster. Draußen fährt die Bahn Richtung Uniklinik. Und du fragst dich: Wer war eigentlich dieser Hufeland? Gute Frage. Rund um das Universitätsklinikum in Essen-Holsterhausen tragen viele Straßen die Namen berühmter Ärzte. Im Norden kommen noch Chemiker und ein Astronom dazu.

Einen festen Namen wie „Ärzteviertel“ hat die Ecke übrigens nicht. Die Wikipedia-Liste der Holsterhauser Straßen sagt schlicht: Um das heutige Universitätsklinikum, das aus den städtischen Krankenanstalten hervorging, wurden mehrere Straßen nach Medizinern benannt. Mehr braucht es auch nicht.

Warum gerade hier?

Nach der Eingemeindung 1901 teilte die Stadt Essen die neuen Stadtteile in Namensgruppen ein. Jede Ecke bekam ihr Thema. Im Süden von Holsterhausen lag das städtische Krankenhaus. Also lag es nahe, die Straßen drumherum nach Pionieren der Medizin zu benennen. Aus dem Krankenhaus wurde später das Universitätsklinikum Essen. Die Namen passen heute besser denn je.

Die Ärzte rund ums Klinikum

Die erste Welle: 1902

Am 16. Mai 1902 bekamen sechs Straßen ihre Mediziner-Namen. Die Hufelandstraße erinnert an Christoph Wilhelm Hufeland (1762–1836). Er war Arzt, Sozialhygieniker und Volkserzieher. Die Straße ist heute Teil der Landesstraße L20 und führt direkt am Klinikum entlang.

Die Virchowstraße ist rund 1,7 Kilometer lang und damit eine der längsten im Stadtteil. Rudolf Virchow (1821–1902) war Pathologe, Politiker und Prähistoriker. Zwischen Krawehl- und Esmarchstraße bildet seine Straße die Grenze zu Rüttenscheid.

Dazu kommen die Graefestraße für den Augenarzt Albrecht von Graefe (1828–1870). Er machte die Augenheilkunde in Deutschland zu einem eigenen Fach. Vorher hieß die Straße Löwenstraße. Die Langenbeckstraße ehrt den Chirurgen Bernhard von Langenbeck (1810–1887). Die Jennerstraße und die Listerstraße waren früher Teile des Felderwegs. Edward Jenner (1749–1823) entwickelte die Schutzimpfung gegen Pocken. Joseph Lister (1827–1912) begründete die antiseptische Chirurgie.

Die zweite Welle: 1903 bis 1910

1903 kam die Pettenkoferstraße dazu. Max von Pettenkofer (1818–1901) gilt als erster Hygieniker. 1904 folgte die Rühlestraße für den Mediziner Hugo Ruehle (1824–1888). 1908 kamen die Schönleinstraße für den Arzt und Pathologen Johann Lukas Schönlein (1793–1864) und die Pelmanstraße für den Psychiater Carl Pelman (1838–1916).

Am 16. September 1910 folgten gleich vier Chirurgen. Die Billrothstraße ehrt Theodor Billroth (1829–1894), einen Pionier der Bauch- und Kehlkopfchirurgie. Die Esmarchstraße erinnert an Friedrich von Esmarch (1823–1908). Er begründete das zivile Samariterwesen in Deutschland. Die Bardelebenstraße trägt den Namen von Heinrich Adolf von Bardeleben (1819–1895), Chirurg und Generalarzt. Die Henckelstraße ehrt Joachim Friedrich Henckel (1712–1779), Chirurg an der Berliner Charité.

Späte Neuzugänge

1932 wurde der südliche Teil der Rubensstraße zur Robert-Koch-Straße. Robert Koch (1843–1910) war Mediziner und Mikrobiologe. Der jüngste Name hat einen direkten Bezug zu Essen: Der Gerhard Meyer-Schwickerath Platz auf dem Klinikgelände erinnert an den Augenarzt Gerhard Meyer-Schwickerath (1920–1992). Er entwickelte die Lichtkoagulation. Mehr dazu liest du beim Platz mit Büste.

Die Forscher im Norden

Zwischen Keplerstraße und Autobahn liegt eine zweite Gruppe. Hier geht es um Chemie und Naturwissenschaft. Die Wikipedia-Liste zählt einige davon, etwa Bunsen und Fresenius, zur Gruppe der bedeutenden Unternehmer im Norden. Das zeigt: Forschung und Industrie lagen hier eng beieinander.

  • Die Keplerstraße ist rund 1.040 Meter lang. Johannes Kepler (1571–1630) war Astronom und Mathematiker. Die Straße hieß um 1823 Bruchstraße und später Felsenstraße.
  • Die Bunsenstraße erinnert an Robert Wilhelm Bunsen (1811–1899), den Chemiker hinter dem Bunsenbrenner. Früher hieß sie Philippistraße.
  • Die Liebigstraße ehrt Justus von Liebig (1803–1873). Sie war einst Teil der Bismarckstraße und bildet die Grenze zu Frohnhausen.
  • Die Wöhlerstraße trägt den Namen von Friedrich Wöhler (1800–1882). Sie war früher Teil der Hobeisenstraße.
  • Die Boettgerstraße hieß bis 1915 Bischoffstraße. Rudolf Christian Böttger (1806–1881) war Chemiker und Physiker.
  • Die Freseniusstraße erinnert an Carl Remigius Fresenius (1818–1897). Er gründete in Wiesbaden ein chemisches Labor, aus dem das heutige Institut Fresenius hervorging.

Ganz in der Nähe liegt die Lise-Meitner-Straße. Sie wurde 1984 nach der Kernphysikerin benannt und ist eine der jüngsten Straßen des Stadtteils.

Straßen, die gewachsen sind

Manche dieser Straßen haben eine bewegte Vergangenheit. Die Pettenkoferstraße führte anfangs nur von der Holsterhauser Straße zur Graefestraße. Die Verlängerung nach Süden hieß ab 1910 Kochstraße. 1915 wurde sie der Pettenkoferstraße zugeschlagen. Seitdem reicht diese bis zur Hufelandstraße. Die Robert-Koch-Straße wiederum hieß ursprünglich Herwarthstraße und war dann 30 Jahre lang ein Stück der Rubensstraße. Wer hier einen alten Stadtplan liest, braucht also etwas Geduld.

Alle Straßen dieser Gruppe

Tipp für einen Rundgang

Starte an der Hufelandstraße beim Klinikum. Geh über die Esmarchstraße zur Virchowstraße. Auf dem Weg kreuzt du Henckel-, Lister- und Schönleinstraße. So erlebst du auf wenigen hundert Metern 200 Jahre Medizingeschichte. Wer danach Lust auf Kunst hat, läuft weiter ins Künstlerviertel.

Fazit

Die Straßen rund ums Uniklinikum sind ein Lehrbuch der Medizingeschichte. Von der Pockenimpfung bis zur Lichtkoagulation ist alles dabei. Und im Norden von Essen-Holsterhausen zeigen Kepler, Liebig und Bunsen, wie viel Wissenschaft in diesem Stadtteil steckt.