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Funkturm, Tankstelle, Kloster: 8 Orte mit Geschichte in Holsterhausen

Ein Betonriese an der A40, eine uralte Tankstelle im Hinterhof und ein Kloster mitten im Viertel: Holsterhausen steckt voller Geschichten.

Hofeinfahrt zur ältesten Tankstelle Deutschlands an der Gemarkenstraße in Essen
Foto: Thomas Schoch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0Quelle

Sehenswürdigkeiten? In Holsterhausen? Viele würden jetzt lachen und nach Rüttenscheid oder zur Villa Hügel zeigen. Aber warte kurz. Wer genauer hinsieht, findet hier Orte mit richtig guten Geschichten. Hier sind acht davon – plus ein paar Extras.

1. Der Fernsehturm an der A40

Du siehst ihn von fast überall: den Betonturm an der A40. Laut Stadt Essen ist er 159 Meter hoch. Gebaut hat ihn die Deutsche Bundespost. Es ist ein sogenannter Typenturm, also ein Turm nach einem Standardentwurf. Heute gehört er der Deutschen Telekom und wird von der Deutschen Funkturm betrieben. Er sendet unter anderem digitales Fernsehen und Radio. Hinauf kommst du leider nicht. Der Turm ist nicht öffentlich zugänglich.

Übrigens: Die Straße Am Funkturm ist nicht nach diesem Turm benannt. Dazu gleich mehr.

2. Der verschwundene Richtfunkmast

1955 baute die Deutsche Bundesbahn im Norden von Holsterhausen einen Richtfunkmast. Er war 181 Meter hoch – höher als der heutige Fernsehturm. Über ihn lief Telefonverkehr der Bahn nach Frankfurt am Main. Als die Bahn auf Kabel umstellte, wurde er überflüssig. 1971 wurde er abgebaut. Geblieben ist der Name: Die Straße Am Funkturm heißt seit 1961 so.

3. Die älteste Tankstelle Deutschlands

Im Hinterhof an der Gemarkenstraße 18 liegt die älteste Tankstelle Deutschlands. Sie wurde 1924 eröffnet. Früher bediente ein Tankwart die Kunden, putzte Scheiben und prüfte den Luftdruck. Am 31. Mai 2019 endete nach 95 Jahren der Tankbetrieb. Einen Blick in die Einfahrt ist sie trotzdem wert. Hier spürst du, wie früh das Auto in Holsterhausen angekommen ist.

4. Der Holsterhauser Dom

Die Kirche St. Mariä Empfängnis ist das Zentrum der Gemarkenstraße. Josef Seché entwarf sie im neugotischen Stil. Gebaut wurde sie von 1895 bis 1897. Im Krieg wurde sie bis auf die Außenmauern zerstört, zuletzt am 11. März 1945. Willy Weyres baute sie von 1950 bis 1952 wieder auf. Drei Glocken von 1897 haben beide Weltkriege überstanden und hängen noch im Turm. Laut Stadt Essen gibt es hier auch Lesungen und Bücherflohmärkte.

5. Das Kloster der Augustiner Chorfrauen

Ein Kloster mitten im dicht bebauten Stadtteil überrascht viele. Die Augustiner Chorfrauen sind seit 1652 in Essen. 1931 zogen sie mit ihrer Schule nach Holsterhausen. Das Kloster ist eng mit der B.M.V.-Schule verbunden, deren Träger der Orden ist. Im Krieg wurden Teile des Klosterturms zerstört und danach wieder aufgebaut. Zu Gottesdiensten in der Klosterkirche sind auch Gäste willkommen.

6. Glocken und Turm der Melanchthonkirche

Am Holsterhauser Platz stand ab 1931 eine Sensation: die Stahlkirche von Otto Bartning. Sie war aus Stahl und Glas und zuvor 1928 auf einer Ausstellung in Köln gezeigt worden. Am 9. März 1942 brannte sie nach einem Luftangriff aus. Zwei gerettete Glocken stehen heute als Mahnmal neben der Melanchthonkirche. Der Neubau von 1970 bis 1972 hat einen bunten Turm von Otto Herbert Hajek.

7. Wichernhaus und Lukas-K-Haus

An der Planckstraße stehen zwei Häuser mit Geschichte nebeneinander. Das Wichernhaus wurde 1910 und 1911 nach Plänen von Carl Nordmann für die Krupp-Siedlung Alfredshof gebaut. Das Grundstück hatte die Familie Krupp geschenkt. Heute ist es ein Jugendhaus. Gleich daneben lag die evangelische Lukaskirche. Sie wurde im November 2008 geschlossen, als zwei Gemeinden fusionierten. Heute ist sie als Lukas-K-Haus ein Mehrgenerationenhaus.

8. Der Simson-Block und die Skulptur am Gemarkenplatz

An der Ecke Keplerstraße/Simsonstraße steht der Simson-Block. Er ist der einzige geschlossene Rest der Krupp-Siedlung Alfredshof, die ab 1893 entstand. Die Geschichte erzählt der Beitrag über die Siedlung Alfredshof.

An der Ecke Gemarkenstraße und Menzelstraße steht seit 2007 eine Bronzefigur von Waldemar Otto: „Mann aus der Enge hervortretend“. Der Essener Bürgerbund hat sie aufstellen lassen. Sie steht für die Auferstehung Holsterhausens aus den Ruinen.

Bonus: die kleinen Dinge

Auf dem Gelände des Uniklinikums liegt der Gerhard-Meyer-Schwickerath-Platz mit einer Büste des Augenarztes. Er leitete von 1959 bis 1985 die Augenklinik. Auf dem Friedhof von St. Mariä Empfängnis an der Rühlestraße steht das Grabmal der Familie Reintjes aus den 1920er-Jahren. Es ist das einzige eingetragene Baudenkmal auf der Wikipedia-Liste für Holsterhausen. Dazu kommen die Skulptur „Die drei Grazien“ von 1959 und die Stolpersteine, die an verfolgte Nachbarn erinnern.

Und dann ist da noch die Hobeisenstraße. Sie heißt seit 1892 so, nach der Zeche Hobeisen. Im 18. Jahrhundert wurde im Mühlenbachtal Kohle im Stollen abgebaut. Die kleine Zeche Hobeisen musste wegen starker Wasserzuflüsse nach kurzer Zeit aufgeben. Ein seltenes Stück Bergbaugeschichte in einem Stadtteil, der sonst von Stahl geprägt wurde.

Was es nicht mehr gibt

Manche Orte kennst du nur noch aus Erzählungen. Am 9. Januar 1964 öffnete an der Papestraße das Jugendzentrum Essen. Es kostete vier Millionen D-Mark und war ein Geschenk der Stadt an die Jugend. Ein Foto von 1964 zeigt dort eine Drachen-Skulptur. 2011 wurde das Zentrum geschlossen, 2014 abgerissen. Auch von der Arbeiterkolonie Schederhof im Norden ist nichts mehr übrig. Mehr dazu im Beitrag Arbeiterkolonie Schederhof.

So planst du deinen Rundgang

Starte an der Haltestelle Gemarkenplatz. Von dort erreichst du Kirche, Skulptur und Tankstelle in wenigen Minuten. Dann geht es zum Holsterhauser Platz mit Melanchthonkirche und Glocken. Weiter Richtung Norden kommst du zur Planckstraße und zum Simson-Block. Den Fernsehturm siehst du ohnehin fast überall. Plane insgesamt zwei Stunden ein. Alle Orte findest du auf der Karte.

Fazit

Holsterhausen hat keine Schlösser, aber viele Geschichten. Ein 159 Meter hoher Fernsehturm, ein verschwundener Mast, die älteste Tankstelle Deutschlands, ein Kloster, eine neugotische Kirche und die Glocken einer berühmten Stahlkirche. Nimm dir einen Nachmittag Zeit und entdecke dein Viertel wie eine Touristin oder ein Tourist. Den Überblick gibt die Geschichte von Holsterhausen.

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